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Freitag, 18. Mai 2012

100 Jahre - und top fit!

Eine ganz besondere „alte Lady“ feiert in diesem Jahr Ihren 100.-Geburtstag. Die „Belegstelle Gehlberg“.

Die älteste Belegstelle Deutschlands wurde im Jahr 1911 vom Imkerverein Arnstadt gegründet, um durch gezielte Anpaarungen die Leistungsfähigkeit und Sanftmut der Honigbiene zu verbessern. Nachdem über fünfzig Jahre Drohnenvölker der Rasse Apis mellifera mellifera Nigra zur Begattung aufgestellt wurden, dient die Belegstelle Gehlberg seit 1963 der Reinzucht der Rasse Apis mellifera Carnica. Nach Gründung der Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht (AGT) im Jahr 2003, die sich zum Ziel gesetzt hat, Honigbienen zu züchten, die trotz Varroa Milben ohne imkerliches Eingreifen überleben und vitale und leistungsstarke Völker aufbauen, wurde die Belegstelle Gehlberg ab 2005 als erste Varroatoleranzbelegstelle betrieben. Auf diesem Weg wird der Imkerschaft ständig Zuchtmaterial zugänglich, das zum einen sehr gute Leistungseigenschaften in Bezug auf Honigertrag, Sanftmut, Wabensitz, Schwarmneigung und Winterfestigkeit und gleichzeitig eine gewisse Toleranz gegenüber der Varroamilbe unter Beweis gestellt hat. Alle Vatervölker gehören der Rasse Carnica an und sind entsprechend den Zuchtrichtlinien des Deutschen Imkerbundes gekört.

Die Belegstelle Gehlberg steht, wie alle Thüringer Belegstellen, schon seit mehr als fünfzig Jahren unter staatlichem Schutz. Im Thüringer Gesetz zum Schutz von Belegstellen für Bienen vom 29. Juni 1995 und der dazugehörigen Thüringer Verordnung zur Festlegung von Schutzbezirken für Belegstellen von Bienen vom 28.11.2005 sind die Belange der Belegstellen geregelt. Die im §2 der VO festgelegten Schutzbezirke der Belegstellen haben einen  Radius von 7km. Dabei sind alle Gemarkungen und Flurstücke, die zum Schutzbezirk gehören, aufgeführt. Im §3 (1) der VO heißt es:  Innerhalb der Schutzbezirke gem. §2 ist es verboten, dauerhaft Bienenvölker zu halten, die der für die Bienenbelegstelle bei ihrer Anerkennung durch den LV Thüringer Imker e.V. festgelegten Zuchtherkunft nicht entsprechen. (2) Die vorübergehende Aufstellung von Bienenvölkern innerhalb der Schutzbezirke bedarf der Genehmigung des Thüringer Landesverwaltungsamtes…..

 Es ist bekannt, dass Drohnen die während ihrer Entwicklung durch Varroamilben geschädigt worden sind, nicht oder nur eingeschränkt fortpflanzungsfähig sind. Aus diesem Grund werden auf der AGT-Belegstelle Gehlberg Drohnenvölker aufgestellt, die nur wenig behandelt und so einem erhöten Milbendruck ausgesetzt sind. Außerdem stammen diese Völker nicht wie üblich, von einer Linie ab, sondern von fünf verschiedenen, mit besonders guten Zuchtwerten gekörten 4a Königinnen. Es werden ca. 50 Drohnenvölker in mehreren Gruppen um die Belegstelle aufgestellt, um eine hohe Drohnendichte zu erreichen, auch wenn eine Anzahl Drohnen durch die varroabedingten Schädigungen ausfällt. So kommen nur die Völker zur Fortpflanzung, deren Drohnen trotz erhöhtem Varroabefall erfolgreich am Paarungsflug teilnehmen konnten. Auf diese Weise wird natürliche Selektion und gezielte Zuchtarbeit miteinander verbunden, um einen optimalen Erfolg zu erzielen.

Zur Festveranstaltung aus Anlass des einhundertjährigen Bestehens der Belegstelle Gehlberg am 02.07.2011 sind alle Imkerinnen und Imker herzlichst eingeladen.

21.04.2011