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Samstag, 23. September 2017

AGT Zuchtkonzept als Grundlage der europaweiten SMARTBEES Zuchtinitiative

Die offensichtlichen Zuchtfortschritte der Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht (AGT) bei Merkmalen wie der Sanftmut, Honigleistung und Varroatoleranz sind als Ergebnis eines bewährten Zuchtkonzeptes anzusehen.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Leistungsprüfung der Völker nach detaillierten Vorgaben des Methodenhandbuchs, die regelmäßigen Treffen und Trainings der Prüfer sowie die zentrale Auswertung aller Daten im Rahmen der Zuchtwertschätzung. Bisher beschränken sich entsprechende Zuchtaktivitäten im Wesentlichen auf Deutschland und einzelne Nachbarländer wie Österreich und die Schweiz sowie punktuelle Aktionen in anderen Ländern (Dänemark, Norwegen, Italien etc.).

Das im November 2014 angelaufene Forschungsprojekt „Sustainable Management of Resilient Bee populations - SMARTBEES“ eröffnet aktuell eine hervorragende Möglichkeit, dieses erfolgreiche Konzept europaweit voranzubringen. Mit finanzieller Unterstützung durch die EU und koordiniert durch das Länderinstitut in Hohen Neuendorf zielt das Vorhaben auf den Erhalt regional angepasster und die Auslese widerstandsfähiger Bienen. Hierzu bedarf es verstärkter Selektionsanstrengungen insbesondere in Regionen, die sich bislang vorrangig auf den Import nicht heimischer Carnica oder Ligustica Herkünfte stützen. Viele der in diesen Regionen heimischen Rassen wie A. m. mellifera,  A. m. macedonica, A. m. cecropia, A. m. iberiensis und A. m. siciliana sind dadurch in ihrem Bestand akut gefährdet.

Um dieser Herausforderung zu begegnen, fördert das Smartbees Projekt unter der Koordination des Bieneninstituts Kirchhain die Leistungsprüfung lokaler Herkünfte hinsichtlich der unter den jeweiligen Verhältnissen wichtigsten Eigenschaften. Dabei kann in weiten Teilen auf die Erfahrungen und Methoden der AGT zurückgegriffen werden. Zugleich bedarf es natürlich gewisser Anpassungen an die jeweiligen klimatischen und imkerlichen Bedingungen. Am Ende werden Züchter europaweit von den AGT-Methoden zur Varroabefallsermittlung, dem Nadeltest und den Standards zur Beurteilung der Volksentwicklung, der Sanftmut, Wabenstetigkeit und des Schwarmtriebs profitieren.

Ein weiterer Aspekt ist die enge regionale Kooperation von Züchtern im Sinne der AGT Regionalgruppen. Smartbees wird dies unter Berücksichtigung  unterschiedlicher kultureller und ökonomischer Gegebenheiten europaweit fördern. In Workshops und Trainingsangeboten werden entsprechende Methoden vermittelt und regionale Erfahrungswerte ausgetauscht. In diesem Sinne erhoffen wir uns auch rege Kontakte zwischen AGT Mitgliedern und Züchtern anderer europäischer Smartbees Gruppen.

Wir sind sicher, dass am Ende dieser europaweiten Initiative, die von Skandinavien bis in die Mittelmeerländer und vom Balkan bis zu den Britischen Inseln reicht, wirkungsvolle und bewährte Selektionsmethoden zur Anwendung kommen, die zu einer Verbesserung vieler regionaler Bienenherkünfte führen werden. So können nachhaltige Zuchtprogramme gestärkt und die Attraktivität regional angepasster Bienen gesteigert werden. 

 

Dr. A. Uzunov & Dr. R. Büchler

LLH Bieneninstitut Kirchhain

30.04.2015