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Dienstag, 16. Oktober 2018

AGT-Züchter setzen sich für den Erhalt bedrohter Rassen und Ökotypen ein

Die Zuchtarbeit in Deutschland kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Durch intensive Selektion unter wissenschaftlicher Begleitung konnten die Eigenschaften der Biene erheblich verbessert werden

Das Carnica-Material, das heute von den Züchtern abgegeben wird, zeichnet sich durch hohe Leistung, Friedfertigkeit, geringe Schwarmneigung und Widerstandsfähigkeit aus. Die Zuchtarbeit ist durch die Offenlegung der Ergebnisse in beebreed transparent und für jedermann im In- und Ausland einsehbar. Auch im Internet wird in Foren ausländischer Imker laufend über die Vorzüge von Carnica-Zuchtmaterial in Deutschland berichtet. So verzeichnen die Züchter – insbesondere die Mitglieder der AGT – eine ständig steigende Nachfrage nach Königinnen, weil die Imker in vielen Ländern mit ihren lokalen Bienen nicht zufrieden sind und sich Vorteile durch die züchterisch bearbeitete Carnica erhoffen.

 

Diese an sich sehr erfreuliche Bestätigung einer erfolgreichen Zuchtarbeit stellt aber eine ernste Gefahr für den Erhalt regional angepasster Rassen und Ökotypen in vielen Ländern dar. Die genetische Vielfalt zwischen den Rassen und Ökotypen, die durch natürliche Selektion entstanden ist, geht durch die Einfuhr und Einkreuzung von fremden Rassen in das Gebiet einer anderen zwangsläufig verloren. Das entstandene Rassengemisch kommt nicht zwangsläufig besser mit den Umweltbedingungen zurecht.

 

Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist das Verhalten der Ägyptischen Honigbiene gegenüber der Wespe (Vespa orientalis). Die einheimische Biene kommt durch bestimmte Verhaltensweisen mit dem im Nahen und Mittleren Osten gefährlichen Feind zurecht. Die Hybriden zwischen der Ägyptischen Biene und der Carnica dagegen werden zur hilflosen Beute.

 

Ein anderes Beispiel bildet Nordafrika. Während die dort heimische Tellbiene auf Grund ihres Brutrythmus mit einer langen Trockenperiode im Sommer gut zurecht kommt, entwickelt sich die Carnica im Frühjahr zunächst zügig, aber übersteht – ebenso wie die Hybriden – nicht die lange Trockenperiode mit einer Trachtlücke im Sommer.

 

Die einheimischen Bienenrassen sind an die lokalen Umweltbedingungen, Krankheitserreger und Parasiten angepasst. Diese Rassen wegen ihrer zur Zeit noch unzureichenden imkerlichen Vorzüge durch eine selektierte, nicht einheimische Biene zu verdrängen oder diese einzukreuzen, schadet massiv der globalen genetischen Vielfalt! Die bedrohten Rassen – bei Erhalt ihrer Anpassung an die lokale Umwelt – züchterrisch anzupassen, fördert nachhaltig den Erhalt der genetischen Vielfalt.

 

Aus diesem Grunde haben sich die Carnica-Züchter, insbesondere die Züchter in der AGT, die Verpflichtung auferlegt, zum Schutz bedrohter einheimischer Bienenpopulationen Königinnen nur innerhalb der EU zu vermarkten, mit Ausnahme von Bulgarien, Griechenland, Irland, Malta, Portugal, Rumänien, Spanien und Sizilien.

 

Eine gleichlautende Empfehlung hat die GdeB (Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker) für ihre Mitglieder beschlossen.

 

F.-K. Tiesler

Prof. Dr. K. Bienefeld

19.04.2018