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Freitag, 17. August 2018

Blick in die Werkstatt der Bienenforschung

- Bericht über den AGT-Praxistag am 30.06.2018 -

Foto 1: Dr. S. Berg

Foto 2: F. K. Tiesler

Foto 3: Drohnen in der Drohnenfalle - Dr. S. Berg

Foto 4: Zeichnen der gefangenen Drohnen durch die Teilnehmer - F.K. Tiesler

Im Mittelpunkt der Arbeitstagung der Züchter am 04. November 2017 am Institut für Bienenkunde und Imkerei in Veitshöchheim standen die Drohnen. Während wir bei Arbeitsbienen und Königinnen über umfangreiche Kenntnisse verfügen, sind viele Fragen zu den Drohnen noch ungeklärt.

 

Als wir davon erfuhren, dass unter Leitung von Dr. Stefan Berg gemeinsam mit Dr. Gabi Lahner und Dr. Gudrun Koeniger sowie Prof. Dr. Nikolaus Koeniger auf dem Gelände der landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf / Bayern Versuche zu Drohnensammelplätzen anstehen, hat sich der Vorstand der AGT entschlossen, den Praxistag 2018 auf einen der Versuchstage zu legen, um einen Einblick in die spannenden Versuche zu bekommen.

 

In einer gut verständlichen Präsentation fasste Dr. Berg die Erkenntnisse über Drohnen zusammen, die in langjähriger Zusammenarbeit mit dem Ehepaar Koeniger gewonnen wurden. Abschließend berichtete Dr. Lahner über das Phänomen der offenbar nicht vorhandenen Drohnensammelplätze in einem gering strukturierten Gelände in Südostafrika. Daraufhin wurde die Gelegenheit genutzt mit den Wissenschaftler/innen in einen intensiven Dialog zu treten und es folgte eine angeregte Diskussion. Pünktlich zur Flugzeit der Drohnen ging es dann bei bestem Wetter in das Gelände, zu dem aus früheren Versuchen bekannten Drohnensammelplatz nahe dem Pomoretrum. Schon nach kurzer Zeit war das typische „Brummen“ der Drohnen in der Luft hörbar.

 

Das Staunen war groß als jetzt Dr. Nicole Höcherl (Mitarbeiterin am Institut für Bienenkunde Veitshöchheim) zum Fang der Drohnen eine Drohne, einen sogenannten Oktokopter, zum Einsatz brachte. Mit Hilfe dieser Technik lassen sich die Drohnenfallen mit Königinnen-Pheromon sehr kontrolliert auf dem Drohnensammelplatz in die Luft bringen. Durch schnellen Wechsel mehrerer Fallen an dem Oktokopter und dem intensiven Einsatz aller anwesenden Züchter/innen beim Markieren konnten in kürzester Zeit ca. 400 Drohnen farbig gekennzeichnet werden.

 

Ziel hierbei war es über das Verfahren der sogenannten Rückfangmethode die Anzahl von Drohnen abzuschätzen, die diesen Sammelplatz besuchen. Eine Stunde später wurde erneut eine Stichprobe gefangen und anhand des Anteils der darin markierten Tiere die Gesamtzahl der Drohnen ermittelt, die diesen Sammelplatz aufsuchen. Dabei nimmt man an, dass der Anteil von markierten Individuen in der Stichprobe genauso groß sein sollte, wie in der Gesamtpopulation. Für den untersuchten Sammelplatz konnten so ca. 16.000 Drohnen abgeschätzt werden. Diese Zahl entspricht den langjährigen Erfahrungswerten von Versuchen in Lunz und in Oberursel.

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Weiter ist bekannt, dass mehr als 10.000 Drohnen erforderlich sind, damit sich ein Drohnensammelplatz stabilisiert. Aber welche Reize sind es, die verantwortlich dafür sind, dass die Drohnen auf dem Drohnensammelplatz zusammenbleiben. Hierzu gibt es bisher noch keine Erklärungen. Um dies zu überprüfen wurden nacheinander Helium gefüllte Ballons mit Königinnenattrappen ohne Duftstoffe, mit Königinnenpheromon und Ganzkörperextrakten von Drohnen im Bereich des Drohnensammelplatzes in 10 – 20 m Höhe positioniert. Dabei zeigte sich zum einen die sehr hohe Attraktivität des Königinnenduftstoffes. In einem Wahlversuch, bei dem gleichzeitig Kontrolle gegen Königinnenpheromon getestet wurde, entschieden sich 70% der Drohnen für den Köder mit dem Duft der Königin. Aber auch der Köder mit dem Drohnenextrakt wurden deutlich stärker angeflogen (60%) als die Kontrolle (ohne Duftstoff). Dies ist ein erster Hinweis darauf, dass sich Drohnen gegenseitig  anziehen. Um diese Hinweise zu bestätigen, sind noch weitere mit Zahlen hinterlegte Versuche erforderlich.

 

Für alle Teilnehmer/innen waren diese Einblicke in die praktische Bienenforschung ein spannendes Erlebnis. Allen Beteiligten, die uns diese Teilnahme an den Versuchen ermöglichten und Herrn Rumpf von den landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf wird herzlichst gedankt.

 

Dr. Stefan Berg

Friedrich- Karl Tiesler

23.07.2018