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Dienstag, 23. Mai 2017

Erfahrungsbericht eines Belegstellenleiters Varroatoleranzbelegstelle auf der Insel Norderney

In diesem Jahr werden wir in der dritten Saison die verantwortliche Führung der Varroatoleranzbelegstelle Norderney wahrnehmen.

Eine Völkerführung nach den Grundsätzen der AGT und in Zusammenarbeit mit dem Bieneninstitut Kirchhain sichert unseren Erfolg.

Auf Norderney stehen 35 Drohnenvölker an zwei Standorten. Diese Völker unterliegen einer permanenten Kontrolle der Varroaentwicklung. Zunächst erfolgt die Frühjahrdurchsicht zum frühestmöglichen Zeitpunkt, auch um rechtzeitig schwächere Völker ersetzen zu können. Die Reihe der Tests und Messungen beginnt in der Phase der Salweidenblüte mit dem Ausbringen der „Windeln“ zur Feststellung des Milbenfalls, wobei dreimalig nach jeweils 7 Tagen die Auszählung erfolgt. Gleichzeitig wird zu diesem frühen Zeitpunkt die Drohnenentwicklung beobachtet, dabei setzen wir fortlaufend Drohnenwaben mit eingelöteten Mittelwänden (max. drei Stück pro Volk) zu und erweitern mit wachsendem Volk um eine dritte Zarge. Anfang Mai waren in der Saison 2015 genügend geschlechtsreife Drohnen vorhanden, sodass die Probeentnahme zur Merkmaluntersuchung vorgenommen werden konnte. Nicht merkmaltypische Völker wurden nicht festgestellt, sodass ein aufwändiger Austausch von und zur Insel erübrigte. 

Nach AGT-Richtlinie werden sowohl der Nadeltest als auch die Bienenprobe im Abstand von jeweils 3 Wochen durchgeführt. 

Vor Ende der Belegstellensaison wird mit der vollständigen Entnahme aller verdeckelten Brutwaben unter Beibehaltung einer Fangwabe (offene Brut im Madenstadium), die nach einer Woche entnommen wird, eine wesentliche Arbeitsweise einer Völkerführung ohne chemische Behandlung gegen die Varrose praktiziert. 

Nach dem nächsten Brutdurchgang erfolgt dann das Umweiseln, wobei gleichzeitig die Entnahme der ersten Bienenprobe der Vitalitätstestreihe beginnt und im dreiwöchigen Rhythmus bis Mitte Oktober durchgeführt wird. Hierbei ergab sich in der Nachsaison 2015 bei 5 Völkern eine zunehmende Varroaentwicklung, sodass bei diesen Behandlungsbedarf angezeigt war. 

Neben der Arbeit mit den Drohnenvölkern ist eine gute fachliche Zusammenarbeit mit den Beschickern aus der Region, den Landesverbänden und angrenzenden Ländern für den Erfolg der Belegstelle von besonderer Bedeutung.

Aufgrund der widrigen Wetterlage lief die Beschickung 2015 zögerlich an, um dann aber mit Spitzenanlieferungen von bis zu 650 EWK zu eine maximalen Auslastung der Belegstelle zu erreichen. Das Begattungsergebnis wurde in den jeweiligen Wochen einerseits durch die Witterung bestimmt, andererseits war es aber auch sehr deutlich von der Qualität der Königinnen und Begleitbienen sowie der Beschaffenheit der EWK beeinflusst. So ergaben sich Unterschiede im Begattungsergebnis von bis zu 70% in Einzelfällen. Der Erfahrungsaustausch zwischen Belegstellenleiter und Züchter kann zu einem erheblichen Teil zur Verbesserung von Ergebnissen beitragen. 

Meine Frau und ich freuen uns auf die zahlreichen Begegnungen und fachlichen Gespräche, wir hoffen auf ein erfolgreiches tragreiches Jahr 2016.

Detlef Ottersbach

24.03.2016