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Samstag, 31. Juli 2010

Erste Ergebnisse des Vitalitätstests 2009/10

Ziel der Selektion auf Varroatoleranz sind Bienen, die unter gegebenen Umwelt- und Haltungsbedingungen einen normalen Varroabefall aus eigener Kraft überleben können. In der routinemäßig durchgeführten Leistungsprüfung können lediglich zwei Hilfsmerkmale, die Befallsentwicklung und das Bruthygieneverhalten, zu einer Abschätzung der Varroatoleranz berücksichtigt werden.

Die endgültige Auswahl der Zuchtvölker kann daher wesentlich zuverlässiger vorgenommen werden, wenn zusätzliche Beobachtungen zur Widerstandsfähigkeit der Völker einbezogen werden können. Hierzu dient der sogenannte Vitalitätstest, bei dem ausgesuchte Prüfvölker nach Abschluss der Leistungsprüfung ohne jegliche Behandlung weiter beobachtet werden. Die Prüfvölker sind dabei von Anfang August bis zur Winterruhe in dreiwöchigen Abständen sowie am Ende des Winters zu kontrollieren und hinsichtlich Volksstärke, Brutstatus und Milbenbefall zu beurteilen. Zusätzlich werden diese Völker auf eine mögliche Viren- und Nosemabelastung untersucht.

Die bislang auf Institutsebene durchgeführten Vitalitätstests wurden 2009 erstmals auch auf private Zuchtbetriebe ausgedehnt und in der Praxis erprobt. Am Vitalitätstest 2009/10 nehmen 19 Zuchtbetriebe mit insgesamt 209 Völkern teil. Von diesen Prüfvölkern überschritten 51 im Laufe des Spätsommers den Befallsgrenzwert von 10 Milben je 10 g Bienen und mussten daher umgehend behandelt bzw. aufgelöst werden. Die übrigen Völker gingen unbehandelt in den Winter und wiesen bei der letzten Kontrolle vor der Einwinterung (41. Kalenderwoche) mit durchschnittlich 11.328 Bienen eine mäßige Einwinterungsstärke auf.

Von allen 209 Prüfvölkern, wurde jeweils eine Bieneprobe auf eine mögliche Nosema- und Virenbelastung untersucht. Der Befallsgrad der 64 Nosema-positiven Völker war überwiegend gering (20,1 %), lediglich bei rund 2 % der untersuchten Bienenproben wurde ein starker Nosemabefall nachgewiesen. Wie die Virenuntersuchung zeigte, waren nur 22 Proben (10,53 %) frei von CBPV (Chronisches Bienen Paralyse Virus), ABPV (Akutes Bienen Paralyse Virus) oder DWV (Deformierte Flügel Virus), bei den restlichen 187 Prüfvölkern (89,47 %) konnte zumindest ein Virus gefunden werden. Bei 20 Proben (9,57 %) lag eine Infektion mit allen 3 Viren vor. Am häufigsten konnte DWV nachgewiesen werden, gefolgt von ABPV und CBPV.

Der aktuelle Vitalitätstest schließt erst 2010 mit der letzen Kontrolle zur Auswinterung der Völker ab (März / Anfang April). Die Ergebnisse dieses Testes ermöglichen unter Berücksichtigung des unterschiedlichen Überwinterungsverlaufes die Festlegung einer wirtschaftlichen Schadschwelle, die im normalen Imkereibetrieb als Entscheidungsgrundlage für den Einsatz von Tierarzneimitteln dienen kann. Wenn Sie Interesse an der Mitarbeit haben oder nähere Informationen zum Vitalitätstest wünschen, wenden Sie sich bitte an


Ina Heidinger
Bieneninstitut Kirchhain
Erlenstraße 9
35274 Kirchhain
06422/9406-45
Ina.Heidinger(at)llh.hessen(dot)de

15.01.2010