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Mittwoch, 19. Dezember 2018

Fortschritte bei der Selektion auf geringe Milbenvermehrung (SMR)

Am Bieneninstitut in Kirchhain werden seit 2013 alle Prüfvölker auf die Vermehrungsfähigkeit von Varroamilben in der Arbeiterinnenbrut untersucht. Lag dieses als SMR (surpressed mite reproduction) bezeichnete Merkmal im ersten Jahr bei durchschnittlich 18,6 % ist es im Zuge der seitdem vorgenommenen Selektion auf zuletzt 35,2 % gestiegen!

Dies stellt eine deutliche Veränderung in relativ kurzer Zeit dar. Zugleich können wir beobachten, dass viele der so ausgewählten Zuchtvölker trotz guter Volksentwicklung und Honigernte mit einer einmaligen biotechnischen Kontrollmaßnahme im Sommer auskommen. Dies unterstreicht den Zuchtfortschritt in Richtung einer varroaresistent(er)en Biene und verdeutlicht die Bedeutung einer konsequenten Berücksichtigung von Resistenzmerkmalen bei der Auslese von Zuchtvölkern.

Im Zuge unserer Brutuntersuchungen zur Vermehrung der Varroamilben ist weiterhin aufgefallen, dass manche Völker nahezu alle befallenen Brutzellen vor deren natürlichen Schlupfzeitpunkt öffnen und anschließend wieder verdeckeln. Offenbar kann dieses als REC (recapping) bezeichnete Merkmal das Verhalten der Milbe in der Zelle negativ beeinflussen und dadurch zu eingeschränktem Vermehrungserfolg beitragen. Zudem haben gezielte Nachzuchten inzwischen gezeigt, dass dieses Merkmal in hohem Maße erblich bedingt ist und dementsprechend erfolgreich bei der Zuchtauslese berücksichtigt werden kann.

Um diese vielversprechenden Ansatzpunkte in größerem Umfang in die Zuchtprogramme einzubeziehen, hat die AGT in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker (GdeB) und großer Unterstützung durch den Deutschen Imkerbund (DIB) einen entsprechenden Projektvorschlag an das Bundeslandwirtschaftsministerium gerichtet. In der Hoffnung auf einen positiven Förderbescheid im Laufe der nächsten Monate möchten wir schon jetzt die Züchter aufrufen, von allen Prüfvölkern mit guter Bruthygiene und einem relativ geringen Varroabefall vor der Anwendung einer Sommerbehandlung eine verdeckelte Brutwabe mit vielen Puppen kurz vorm Schlupf (purpurfarbene oder schwarze Augen) zu entnehmen und einzufrieren. Im Falle einer Projektförderung können solche Waben im Laufe des Winterhalbjahres in entsprechenden Untersuchungsstellen ausgewertet werden, um eine breite Vorauswahl geeigneter SMR-Zuchtvölker für die weitere Selektion vorzunehmen. Nachfragen zu dem Projektvorhaben und der Ziehung von Brutproben können gerne per Email an die AGT gerichtet werden.

  

Dr. R. Büchler, Bieneninstitut Kirchhain

 

21.06.2018