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Mittwoch, 22. Februar 2012

Ideenaustausch ACA : AGT

Die Brüder Hans und Friedrich Ruttner widmeten sich schon ab 1948 am damals neu gegründeten Institut Lunz am See der Bienengenetik und der Zucht. Hier wurden die ersten Ideen gesammelt und umgesetzt.

Ideen werden geboren

1952 wurde von den Ruttners eine Leistungsprüfmethode für den neu geschaffenen Leistungsprüfstand Wintersbach entworfen. 1972 wurde dieses Zuchtprogramm beim Apimondiasymposium in Lunz international festgeschrieben. Diese Methode gilt in unserem heutigen Zuchtprogramm noch uneingeschränkt – ein Beweis für den Weitblick der Ruttners!

Erwähnt muss auch werden, dass die Versuche der Brüder Ruttner über die Mehrfachpaarung, das Paarungsverhalten, Drohnensammelplätze und die Paarungsdistanzen wichtige Ideen und Grundsätze vor allem für das Belegstellenwesen schufen.

 

Der Schritt zur überregionalen Zusammenarbeit in der Bienenzucht

Das Institut in Lunz wurde sehr bald zu einem Zuchtzentrum der Carnica. Ab etwa 1970 scharte das Institut private Züchter um sich, um die Auslesebasis zu vergrößern („Carnica- Zuchtring Lunz“). 1992 wurde aufgrund der Erfahrungen und Ideen aus dem Institut und auf betreiben eines Teiles der Imkerschaft der Zuchtverband ACA (Austrian Carnica Association) am Institut als österreichweiter, eigenständiger Verein gegründet. Damit wurde die Idee einer überregionalen Zusammenarbeit in der Zuchtarbeit umgesetzt. Sehr bald hatte die ACA über 200 Mitglieder und es wurden pro Königinnenjahrgang über 1500 Königinnen geprüft und von der Universität für Bodenkultur, Wien zuchtwertgeschätzt.

 

Der Quantensprung in der Zucht der Honigbiene

Ab rund 2000 kam es zu einem regen Gedankenaustausch zwischen Vertretern der ACA und deutschen Kollegen. Die ACA konnte die Erfahrungen und Ideen der letzten Jahre einbringen. Aus diesem Ideenaustausch wurde 2002 die AGT (Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht) gegründet. Das bedeutete insofern einen Quantensprung in der Zuchtarbeit, da einerseits deutsche Bieneninstitute ständig neue Ideen und wissenschaftliche Erkenntnisse einbrachten und andererseits durch die inzwischen internationale Zusammenarbeit ACA – AGT eine deutlich größere Zuchtpopulation entstand. Die Institute lieferten wichtige Erkenntnisse vor allem in der Beurteilung des Merkmales Varroatoleranz und boten die wissenschaftlich aktuellste Methode der Zuchtwertschätzung an (BLUP Tiermodell; Länderinstitut Hohen Neuendorf). Aus der Zusammenarbeit ACA : AGT entstand z.B. aus den Erfahrungen des „Unije-Projektes“ auch die Idee der Vitalitätsteststandorte als zweite Stufe der Auslese für das Merkmal Varroatoleranz.

Die Zuchtdatenbank (www.beebreed.eu) ist nicht nur Grundlage für die Zuchtwertschätzung, sie stellt ein ganz wichtiges Werkzeug für die Zuchtarbeit jedes einzelnen Züchters dar (z.B. Inzuchtgrad, Zuchtplanung u.a.). Durch den Zugang (ohne Passwort) zu den Zuchtwerten der geprüften Königinnen und deren Züchtern ist diese Datenbank auch ein ganz wichtiges Instrument für die Verbreitung von gutem Zuchtmaterial in der ganzen Imkerschaft. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass damit heute die wertvollsten Ideen von der AGT an die ACA zurückfließen. Dafür muss die ACA Dank aussprechen!

 

Die Schlussfolgerungen

Dieser Ideenaustausch zwischen ACA und AGT beweist eindeutig, wie wichtig und erfolgreich (internationale) Zusammenarbeit in der (Bienen-)Zucht ist.

Die Erfahrungen aus dieser Zusammenarbeit beweisen auch die enorme Wichtigkeit der wissenschaftlichen Betreuung eines Zuchtprogramms.

 

H. Pechhacker, hc.pechhacker(at)aca(dot)at

20.10.2011