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Mittwoch, 19. Dezember 2018

Krankheiten kritisch beobachten und erfassen

Alle Eigenschaften von Bienenvölkern, sei es das Verhalten wie Sanftmut, Wabensitz oder Schwarmneigung, oder aber die Leistungsfähigkeit beim Eintrag von Nektar oder Pollen sind sowohl von der genetischen Prägung als auch von den Umweltbedingen abhängig

Das gleiche gilt auch für die Empfindlichkeit gegenüber Krankheitserregern. Dies ist immer dann von Bedeutung wenn Krankheitserreger in ein Bienenvolk eingetragen werden wie z.B. der Erreger der Amerikanischen Faulbrut, Paenibaciluus larvae, oder aber in Bienenvölkern latent vorhandene Erreger durch äußere Bedingungen in ihrer Vermehrung gefördert werden, wie dies in diesem Jahr in einigen Teilen Deutschlands bei der Nosemose der Fall war.

Honigbienen haben im Laufe der Evolution durch natürliche Auslese aber auch „gelernt“ sich mit ihren Krankheitserregern auseinander zu setzen und ihnen mit Abwehrmechanismen meist erfolgreich zu begegnen. Zum „Erlernen“ von Abwehrmechanismen gegenüber der Varroamilbe war aber noch nicht genügend Zeit, da unsere Bienen erst gerade mal etwas mehr als vierzig Jahre mit Varroa konfrontiert sind.  So sind wir jetzt mit unseren Varroatoleranz-Selektionverfahren gefordert, diesen Prozess zu beschleunigen.

Dabei sollten wir aber nicht vergessen, dass auch andere Krankheitserreger eine Bedrohung oder zumindest eine Schwächung für unsere Bienen darstellen können. Auch hier gilt es die Bienen zu unterstützen. Das heißt die Völker müssen gewissenhaft beobachtet und das Auftreten von Krankheitserscheinungen muss notiert und in die Zuchtwertschätzung einfließen. Erstens kann damit die Erblichkeit von Empfindlichkeiten gegenüber Krankheiten geschätzt werden und es können selektive Eingriffe bei der Vermehrung erfolgen.

Derzeit sieht die Zuchtwertschätzung folgende Krankheiten vor:

·         Kalkbrut, durch typische Mumien leicht zu identifizieren

·         Sackbrut, ebenfalls mit etwas Erfahrung gut zu erkennen

·         Nosema, nur bei Verkotungen gut erkennbar, was bei der „neuen“ Nosema ceranae aber nur noch selten gegeben ist

·         Europäische und Amerikanische Faulbrut, nur über Labordiagnostik eindeutig zu zuordnen

·         Verkrüppelte-Flügel Virus, gut erkennbar

·         Chronische-Paralyse Virus, Verdacht bei zitternden, haarlosen Bienen

Bei Unsicherheiten sollte man Experten zu Rate ziehen und die Beobachtungen bzw. die Bestätigungen sollten unbedingt in „Beebreed“ erfasst werden. Nur so lassen sich Krankheitsresistenzen und Vitalität züchterisch herausarbeiten.

 

Dr. Christoph Otten

Fachzentrum Bienen und Imkerei, Mayen

21.06.2018