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Dienstag, 25. Juli 2017

Nachruf auf Univ. Dozent Dr. DI Hermann Pechhacker *geb. 13.03.1939 † 10.07.2016

Die Nachricht vom Tod Hermann Pechhackers erreichte uns überraschend und löste große Trauer aus.

Wir hatten in den letzten Jahren gesehen, dass sich Hermann nach einer dringend erforderlichen Operation nicht so schnell erholte, wie er und wir uns gewünscht hatten. Aber sein Lebensmut und seine Unternehmungslust waren ungebrochen. So berichtete er vor einem Jahr über seine Pläne, noch einmal in das von ihm geliebte Nepal zu reisen. Leider ist das nun nicht mehr möglich.

 

Voll Dankbarkeit blicken wir auf eine sehr lange Freundschaft mit Hermann Pechhacker zurück. Vor jetzt genau 50 Jahren, 1966, waren wir (Koenigers) mit Prof. Ruttner aus Oberursel nach Lunz zu den heute klassischen Untersuchungen über Drohnensammelplätzen gefahren. In Lunz trafen wir Hermann, der als junger Assistent von DI Hans Ruttner die Versuche vorbereitet hatte. Gemeinsam mit Hermann wurden dann jeweils früh morgens Zehntausende Drohnen farblich markiert – jeder Bienenstand mit einer anderen Farbe. Mittags ging es dann zum Drohnenfang. Hier zeigte sich die Überlegenheit des gut trainierten, sehr fitten Lunzers über die zugereisten deutschen Studenten. Er war unangefochten der beste Drohnenfänger!

 

Schon bei den ersten Aufenthalten in Lunz hat uns die Gastfreundschaft von Hermann tief beeindruckt. Aufgewachsen in Lunz und von einem frühen Interesse für Botanik geprägt, wusste Hermann die schönsten Standorte vieler seltener Orchideen und alpiner Pflanzen. Unvergessen, die vielen wundervollen Bergtouren mit Hermann und später mit seiner liebenswürdigen Frau Maria, die stets köstlichen, erfrischenden Holunderblütensaft und große Mengen Marillenkuchen für die durstigen und hungrigen Wanderer bereithielt.

 

Neben der Arbeit am Institut verfolgte Hermann mit eiserner Disziplin und Ausdauer seine akademische Ausbildung. Der Ausgangspunkt war die einklassige Volksschule in Bodigbach, dann in den Wintermonaten die Wald und Gebirgsbauernschule in Hohenlehen und das Josephinum in Wieselburg. Danach die Universität in Wien, wo er zielstrebig mit dem Studium der Bodenkunde begann. Seine Diplomarbeit „Prognose zur Honigtautracht“ wurde 1975 fertig und führte bereits zu seinem künftigen Forschungsschwerpunkt. Die Dissertation „Zur Populationsentwicklung der Physokermesarten“ schloss sich 1983 an. Mit der Habilitation 1992 erhielt Hermann Pechhacker die „Venia Legendi“ (Lehrbefugnis) an der Universität Wien.

 

Nach dem frühen Tod von Hans Ruttner 1979 übernahm Hermann Pechhacker die Leitung des Lunzer Bieneninstituts, das er bis zu seiner Pensionierung 2003 sehr erfolgreich führte und weltweit großes Ansehen gewann. So gelang ihm 1994 ein Novum, als Lunzer Institutsleiter holte er die Jahrestagung der deutschen Bieneninstitute nach Lunz, die damit erstmalig außerhalb Deutschlands stattfand.

 

In seinen wissenschaftlichen Untersuchungen stand zunächst die Frage nach den Trachtquellen der Bienen im Mittelpunkt. Vor allem die verlässliche Vorhersage der Waldtracht und die Entwicklung der dafür verantwortlichen Pflanzensauger nahmen einen breiten Raum ein und führten sehr bald dazu, dass Hermann ein international sehr gesuchter und geachteter Referent wurde und neben bienenkundlichen auch internationale Fachkongresse zur Honig- und Pollenanalytik mit seinen Beiträgen bereicherte. Es war ihm auch ein Anliegen, seine Arbeit durch die von Kollegen mit anderen Schwerpunkten zu erweitern. So entstanden fruchtbare Kooperationen u.a. im Bereich Honigforschung mit dem Bieneninstitut Celle und dies auch gleich in Verbindung mit seinen Doktoranden aus Nepal. 

 

Der zweite wissenschaftliche Schwerpunk seiner Arbeit war die Forschung über die Paarungsbiologie. Anknüpfend an die Lunzer Arbeiten der Brüder Ruttner wurde die Zusammenarbeit mit dem Institut in Oberursel wieder aufgenommen. Grundlegende Erkenntnisse über die Flughöhen von Königinnen und Drohnen unterschiedlicher Bienenrassen, die Wahl des Paarungsortes und die Partnerwahl von Königin und Drohn führten zu international viel beachteten Publikationen.

 

Ein wichtiger Arbeitsbereich für Hermann Pechhacker war immer die züchterische Verbesserung der Honigbiene. Hier setzte er die erfolgreiche Arbeit von Hans und Friedrich Ruttner in der Leistungsprüfung und der Paarungskontrolle über Hochgebirgsbelegstellen und die Inselbelegstelle Unje (Kroatien) fort. Er war treibende Kraft für die Gründung der ACA (Austrian Carnica Association), in der moderne Verfahren der Tierzüchtung und erfolgreiche Vermarktung zur Anwendung kamen. Nach dem Vorbild der ACA gründete sich in Deutschland die AGT (Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht). Zwischen beiden Verbänden besteht ein enger Erfahrungsaustausch. Die züchterischen Bemühungen von Hermann Pechhacker führten nicht nur zu einer Verbesserung der Carnica in seiner Heimat, sondern auch zu einer ständig wachsenden, weltweiten Nachfrage nach dieser Rasse. Obwohl er mit der Zucht der Carnicabiene verbunden war, sah er doch als Wissenschaftler auch die Nachteile der Dominanz dieser Rasse. Er unterstütze aktiv die Gründung des Mellifera Zuchtverbandes in Österreich. Er hat damit als einer der Ersten erkannt, dass für den Erhalt der Biodiversität auch der Erhalt bedrohter Bienenrassen notwendig ist. Als 2004 die erste Europäische Bienenkonferenz in Udine stattfand, ergriff Hermann Pechhacker die Initiative zur Bildung einer internationalen Arbeitsgruppe von Zuchtexperten, der heute als „Research Network for Sustainable Bee Breeding – RNSBB“ erhebliche Bedeutung für die Forschungsarbeit in diesem Sektor zukommt und in der er bis zuletzt aktiv mitgewirkt hat. Die Bienenzucht in Deutschland und in vielen Ländern der Welt hat Hermann Pechhacker viel zu verdanken.

 

Der tief in seiner Heimat verwurzelte Hermann Pechhacker hat dabei die Sorge für eine positive, globale Entwicklung der Honigproduktion stets oben auf seiner Agenda gehalten. Zahlreiche Examenskandidaten und Doktoranden aus vielen Ländern, vor allem aus Nepal, haben in Lunz unter der fürsorglichen Betreuung von Hermann Pechhacker ihr wissenschaftliches Handwerk erfolgreich gelernt. Auch für die Betreuung von Entwicklungsprojekten in Nepal, Chile und Thailand hat Hermann Pechhacker manche Entbehrung und Anstrengung bewältigt.

 

Wir alle haben mit Hermann Pechhacker einen großherzigen, sehr beliebten Kollegen und treuen Freund verloren. Seine persönliche Bescheidenheit, seine Liebeswürdigkeit, sein Verständnis der imkerlichen Praxis und sein wertvoller Rat werden uns fehlen. Unser tiefempfundenes Beileid gilt seinen 5 Kindern, den 10 Enkelkindern nebst Familien und der Gemeinde Lunz, der mit Hermann nun ein langjähriger und allseits hochgeachteter Gemeinderat fehlt.

 

13.Juli 2016

Stefan Berg, Kaspar Bienefeld, Ralph Büchler, Gudrun Koeniger, Nikolaus Koeniger,

Werner von der Ohe, Friedrich-Karl Tiesler

 

 

 

21.07.2016