Praxistag der Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht in Kirchhain
Zu einem Praxistag zum Thema Leistungsprüfung und Vitalitätstests hatte die Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht für den 16.08.2008 nach Kirchhain eingeladen. Bei strahlendem Sonnenschein konnte der Vorsitzende F.-K. Tiesler neben den ca. 50 Züchtern, die aus ganz Deutschland angereist waren, Herrn Regierungsdirektor Karl Heinrich Brandt vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Herrn Thimotheus Kurau von der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft und Herrn Anton Reck, Präsident des DIB begrüßen. Herr Reck betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung der Zuchtarbeit für die Imkerei in Deutschland. Regierungsdirektor Brandt würdigte die bisherige Arbeit der AGT im Rahmen des BLE Projektes „Einsatz und Erprobung von Prüfparametern zur Selektion einer varroatoleranten Honigbiene in der Praxis“.

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Hilfsmittel zum Aufbau gleich schwerer Kunstschwärme: Trichter, Kunstschwarmkasten und Waage. Der Kunstschwarmkasten lässt sich in eine Zarge einstellen.

Dr. R. Büchler, Reg. Dir. K.-H. Brandt und Präsident A. Reck bei der Beurteilung eines aufgebauten Prüfvolkes.
Nachdem bei den Projekttagen 2005 und 2007 auf den Belegstellen Gehlberg und Mönchgut die Führung von Toleranzbelegstellen und das Management der nahezu unbehandelten Drohnenvölker im Mittelpunkt standen, wurde in diesem Jahr der Aufbau von Leistungsprüfvölkern aus Ablegern und Kunstschwärmen gleichen Gewichts für die nächste Prüfsaison, also 2009 demonstriert. Auf einem Prüfstand wurden die etwa 40 aufgebauten Jungvölker in Augenschein genommen. Zwei Drittel der Völker sind mit Jungköniginnen aus dem eigenen Bestand des Instituts beweiselt, ein Drittel – gemäß der Zucht- und Prüfordnung der AGT – mit Königinnen aus dem Ringtausch. Durch die anonyme Fremdprüfung soll eine möglichst objektive Beurteilung des Materials erfolgen.
Auf dem isoliert gelegenen Stand „Burgwald“ sind 31 ausgelesene potenzielle Zuchtvölker des Bieneninstituts Kirchhain und verschiedener AGT-Mitglieder zusammengezogen, um sie dort unbehandelt – im Sinne eines Vitalitätstestes – zu überwintern. Aus den umfangreichen Versuchsergebnissen mit unbehandelt eingewinterten Völkern lassen sich zwischenzeitlich Schadschwellen für Befallsgrade angeben (weniger als 2% Bienenmilben auf einer Anfang Juli gezogenen Probe von ca. 30 gr. Bienen), die das Risiko von Völkerverlusten minimieren. So sollen diese Vitalitätstests demnächst auch von Zuchtgruppen mit vorselektierten potenziellen Zuchtvölkern durchgeführt werden. Wichtig ist dabei eine 3 – 4 wöchige Befallskontrolle im Spätsommer/Herbst anhand von Bienenproben und die Beurteilung der Volksstärke im Herbst (Oktober) und im Frühjahr zur Zeit der Salweidenblüte. Aus dem Verhältnis beider Werte kann eine Beurteilung der Winterfestigkeit abgeleitet werden. Anhand der zur Zeit aufgestellten recht starken Völker demonstrierten Dr. R. Büchler und Bienenzuchtberater B. Binder-Köllhofer die Beurteilung der Volksstärke in Anlehnung an die Liebefelder Methode zur Populationsmessung.
Bei einem gemütlichen Kaffeetrinken auf dem Vitalitätsteststand Burgwald nahm die gelungene Veranstaltung ihren Ausklang. Dabei wurde die Arbeit der AGT diskutiert. Insgesamt kann festgestellt werden, dass die AGT mit ihren über 120 in regionalen Gruppen organisierten Zucht- und Prüfbetrieben über eine gute Organisationsstruktur verfügt. Alle Mitglieder sind stark motiviert und prüfen jährlich 1.500 – 2.000 Bienenvölker nach einheitlichen Methoden. In Zukunft soll die Auslese vitaler Bienen weiter optimiert und eine effektive Verbreitung der erzielten Zuchtfortschritte in die allgemeine Imkerpraxis erreicht werden.
Dies soll erfolgen durch:
- Vitalitätsauslese unbehandelter Prüfvölker
- Datenauswertung und Zuchtwertschätzung
- Optimierung von Toleranzbelegstellen zur Verbreitung des Zuchtfortschrittes
- Öffentlichkeitsarbeit und Kooperation mit anderen Zuchtverbänden.
Dies kann nur in engagierter Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis erfolgen.
