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Donnerstag, 22. Juni 2017

Selektion auf geringe Varroa-Reproduktion (SMR)

Von verschiedenen varroaresistenten Populationen ist es bekannt, dass sich die Milben in der Brut solcher Völker nur in relativ geringem Umfang vermehren können. Als Ursache dieses, auch als SMR bezeichneten Phänomens, gilt u.a. ein als varroasensitive Hygiene (VSH) bezeichnetes Verhalten der Pflegebienen.

Um die Bedeutung von SMR und VSH für die Carnica Population der AGT einschätzen zu können, wurden 2016 Brutwaben von insgesamt 94 Prüfvölkern auf die Reproduktionsrate der Milben untersucht. Hierzu werden ca. 25 von einer einzelnen Muttermilbe befallene Zellen wenige Tage vor dem Schlupftermin geöffnet und das Alter und die Zahl der Milbennachkommen bestimmt. Die Untersuchung ist recht zeitaufwändig, offenbart aber interessante Unterschiede. So liegt der Anteil nichtreproduktiver Milben (SMR-Wert) zwischen 0 und 63 % aller befallenen Brutzellen. Und es besteht ein offensichtlicher Zusammenhang mit der längerfristigen Befallsentwicklung: im  Mittel sind Völker mit hohen SMR Werten geringer befallen. SMR stellt insofern ein interessantes Selektionskriterium dar und soll zukünftig noch stärker in dem Zuchtprogramm der AGT Berücksichtigung finden.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass manche Völker viele verdeckelte Brutzellen im Laufe der Puppenphase vorübergehend öffnen und wieder verdeckeln. Dieses sogenannte Recapping ist bei vorsichtiger Öffnung des Zelldeckels an der Entfernung des Puppenhäutchens auf der Innenseite zu erkennen. Vermutlich verlassen manche Milben während dieser temporären Öffnung die Zelle oder dringen in diese ein, so dass die Synchronisation mit dem Alter der Puppe verloren geht. Die letztjährige Untersuchung der AGT Völker ergab Recapping Raten zwischen 0 und 84 % aller untersuchten Zellen bei einem Mittel von 11%. Welche Bedeutung unterschiedliches Recapping für die SMR Ausprägung hat ist noch unzureichend geklärt, aber es besteht offenbar ein positiver Zusammenhang beider Phänomene.

Allerdings dürfen keine allzu schnellen züchterischen Fortschritte erwartet werden. Am Bieneninstitut in Kirchhain werden Nachzuchten von Völkern mit hohen SMR Werten gezielt gepaart und in MinPLus-Beuten erneut auf ihr SMR-Verhalten geprüft. Die Resultate der bisher geprüften drei Generationen (2014 – 2016) bestätigen, dass die Unterschiede tatsächlich genetisch beeinflusst sind. Dennoch ist es bisher nicht gelungen, das SMR Niveau spürbar anzuheben oder Geschwistergruppen mit verlässlich hohen Werten zu erzeugen. Es besteht also noch Klärungsbedarf, welche Faktoren wie etwa Jahreszeit, Virusbelastung der Milben, Lernvermögen der Bienen etc. zu der unterschiedlichen Milbenreproduktion beiotragen und wie diese effektiv zur Steigerung der Varroaresistenz  genutzt werden können.

 

Autor:

Dr. Ralph Büchler

LLH Bieneninstitut Kirchhain

02.03.2017