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Mittwoch, 22. März 2017

SMARTBEES - AUFBAU EINES EUROPÄISCHEN ZUCHTNETZWERKES

Heute, fast zwei Jahre nach Beginn des Projektes SMARTBEES, ist ein Netzwerk aus Prüfständen in ganz Europa etabliert. Hier werden zurzeit Völker verschiedener Unterarten und Populationen bezüglich ihrer Leistungsfähigkeit, ihres Verhaltens und ihrer Vitalität bewertet.

Abb. 1 - Trainingseinheit in Norwegen, Juni 2015

Abb. 2 - Trainingseinheit in Malta, March 2016

Züchter und Prüfer aus 21 europäischen Ländern wurden dafür gleichermaßen geschult (Abb. 1) und jeweils mit einem Prüfset, sowie einer Smartphone Applikation (www.testbees.eu) ausgestattet. Dadurch wird eine standardisierte Datenaufnahme ermöglicht, die sich an der Online-Plattform BEEBREED orientiert.

Das Bewertungsprotokoll “Performance testing protocol” sowie einige Schritt-für-Schritt Anleitungen zu den Prüfmethoden sind unter www.smartbees.eu schon in 16 verschiedenen Sprachen frei zugänglich. Das Bewertungsprotokoll wurde aufbauend auf den größtenteils im AGT-Methodenhandbuch festgehaltenen Erfahrungen und Maßstäben der AGT entwickelt. Um die Anwendung für alle Projektpartner zu ermöglichen, wurde das Protokoll zudem auf zahlreiche verschiedene Umwelteinflüsse und Betriebsweisen in Europa angepasst.

Mit Hinblick auf die Herausforderungen, die beim Prüfen der ersten Generation von Königinnen entstanden und den daraus gewonnenen Erfahrungen, arbeiten wir momentan an einer Weiterentwicklung der Methoden. Bisher wurden Königinnen von 9 Unterarten der westlichen Honigbiene (Apis mellifera) nach diesem standardisierten Bewertungsprotokoll geprüft. Sie gehörten zu den Unterarten A. m. iberiensis, A. m. macedonica, A. m. cecropia, A. m. carnica, A. m. siciliana, A. m. ligustica, A. m. ruttneri, A. m. adami und A. m. mellifera. Für die Hälfte der geprüften Populationen stellt dies die erste dokumentierte Zuchtwertschätzung dar. Im Zuge der Datenerhebung wurde die Datenbank BEEBREED ebenfalls erweitert und zusätzlich in mehrere Sprachen übersetzt. Durch diese Weiterentwicklungen können nun Züchter von Skandinavien bis zu den mediterranen Gebieten und von den Britischen Inseln bis zu den Balkanstaaten diese einheitliche Datenbank nutzen. 

Gerade haben wir einen wichtigen Meilenstein des Projektes erreicht, da Daten von über 800 Völkern zusammengetragen wurden, deren Zuchtwerte voraussichtlich im Februar 2017 veröffentlicht werden. Zu diesem Zeitpunkt werden auch die besten Königinnen für die weitere Verwendung und Prüfung ausgewählt werden. Selbst auf dem kontinentalen Maßstab funktioniert das an die AGT angelehnte Modell regionaler Netzwerke und Kooperationen sehr gut. Circa 20 Zuchtobleute übernehmen darin die Verantwortung für die Zuchtaktivitäten in ihren jeweiligen Ländern, bzw. Regionen. Um ihre Bemühungen innerhalb des SMARTBEES-Projektes zu unterstützen, arbeiten wir fortwährend an der Stärkung regionaler Kooperationen und dem Verständnis zeitgemäßer Zuchtstrategien. 

Nach dem ersten Treffen, das im letzten Dezember in Kirchhain stattfand, wird das nächste Koordinatorentreffen in Malta abgehalten werden. Dort werden die Koordinatoren die Möglichkeit haben, mehr über die Datenverarbeitung und das Abschätzen der Zuchtwerte, sowie über die Paarungskontrolle zu erfahren. Außerdem bietet dieser Tagungsort die Möglichkeit einen Großteil der Feldarbeit an Völkern der bedrohten Unterart A. m. ruttneri (Abb. 2) zu demonstrieren.

Unsere Zuchtbemühungen in ganz Europa werden von vielen verschiedenen Umweltfaktoren, Besonderheiten der einzelnen Unterarten, sowie Unterschieden in den Betriebsweisen und Kulturen beeinflusst. Daher bleibt die Standardisierung und Abstimmung der einzelnen Zuchtwertschätzungen nach wie vor eine unserer Hauptaufgaben.

Weitere große Herausforderungen stellen die hohe Bienendichte und/ oder die begrenzten Trachtquellen in einigen Regionen, das Identifizieren und Selektieren bestimmter Genotypen für die erste Prüfgeneration, der große Schwarmtrieb einiger Populationen, die hohe Varroalast am Ende der Prüfsaison, sowie der Mangel an sicheren Belegstellen dar.

Wir sind jedoch zuversichtlich, dass wir die zuvor genannten Herausforderungen mit den Erfahrungen aus der ersten Zuchtsaison bewältigen können.

Unsere Erfahrungen aus den ersten zwei Jahren des Projektes machen offensichtlich, dass unser nun etabliertes Zuchtprogramm bald die nächste Stufe erreichen wird. Dazu zählt die Ausweitung der Zuchtaktivitäten über den europäischen Kontinent, sowie die Stärkung dieses einzigartigen europäischen Zuchtnetzwerkes, in dem die AGT eine zentrale Rolle einnimmt.

Dr. Aleksandar Uzunov, Dr. Ralph Büchler      September 2016

22.09.2016