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Sonntag, 20. August 2017

Theorie und Praxistag der Hessen Züchter und der AGT

Regelmäßige Praxistage stärken die AGT-Regionalgruppe Hessen

Der Landesverband Hessischer Imker e.V. und die Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht hatten für den  06. Mai Züchter und Fachleute zum Theorie- und Praxistag nach Eberschütz zu Wolfgang Scheele (Obmann für Zuchtwesen) eingeladen. In seiner Begrüßung wies Herr Scheele auf die 18 Prüfvölker hin, die vor Ort stehen und erzählte unter anderem von der Besamungsaktion, die 2016 in Eberschütz stattgefunden hatte. Anschließend hielt Imkermeister Dirk Ahrens (Biozentrum der Universität Würzburg) einen Vortrag über die Aufzucht qualitativ hochwertiger Königinnen. Die Konstitution der Königin beeinflusst die Leistungsfähigkeit des Volkes oder ganz allgemein formuliert: Die Züchter versuchen, die erblichen Eigenschaften der Bienen zu verbessern. Das zentrale Thema des Vortrages war die Güte der Aufzucht von Königinnen. Herr Ahrens ging auf die Faktoren ein, die sich auf die Qualität des Königin auswirken: Alter der Mutter, die Ammenbienen (z.B. wirkt sich der Pollenverzehr auf die Futtersaftdrüsen aus), das Pflegevolk, die Aufzuchtverhältnisse, das Umlarven möglichst junger Larven, den Schlupf. Er erklärte u.a. die Vorgänge bei der Pflege im weiselrichtigen Volk (entspricht der stillen Umweiselung) und der Pflege im weisellosen Volk (entspricht der Situation der Nachschaffung) und gab viele praktische Tipps, zum Beispiel, wie man einen Brutschrank optimal nutzt oder wie man Einwabenkästchen und Mehrwabenkästchen befüllt und was man für den Transport zur Belegstelle beachten muss. Im Anschluss referierte Dr. Ralph Büchler vom Bieneninstitut Kirchhain über die Weiterentwicklung der Resistenzprüfung. Zunächst ging Dr. Büchler auf den generellen Ablauf der Leistungsprüfung gemäß AGT-Richtlinien in Kirchhain 2015/2016 ein. Er wies darauf hin, dass es bei vergleichbar gehaltenen Völkern dennoch  große Unterschiede im Befall durch Varroa gibt. Beim Nadeltest gab es eine Besonderheit: Nicht nur vollständig ausgeräumte Zellen, sondern auch die angestochenen, aber noch verschlossenen Zellen wurden gezählt. Desweiteren wurden befallene Brutwaben auf den Anteil der Milben untersucht, bei denen keine Reproduktion erfolgt, was zum Beispiel der Fall ist, wenn ein Männchen in der Zelle fehlt. Man kann auch feststellen, ob eine Zelle bereits geöffnet und wieder verschlossen worden ist (Recapping). Bei manchen Völkern findet ein selektives Recapping befallener Zellen statt. Man kann festhalten, dass Völker, die im Nadeltest mehr Zellen öffnen, auch mehr befallene Zellen finden und ausräumen. Dadurch vermindert sich auch der spätere Befall des Volkes. Wiederum bedeuten auch viele nicht reproduktive Milben einen geringeren Brutbefall. Dr. Büchler wies darauf hin, dass bei den Tests eine zusätzliche Beachtung von SMR (surpressed mite reproduction) und Recapping sinnvoll ist, wobei vermutet wird, dass die Erblichkeit des Recapping höher ist als die der SMR. Für das Recapping möchte man einen Schnelltest entwickeln. Für die AGT-Mitglieder gab es die Empfehlung, zukünftig auch die nicht geöffneten Zellen zu berücksichtigen und die Brutwaben von im Hinblick auf Milbenbefall interessanten Völkern auch auf SMR und Recapping zu untersuchen. So ließen sich in Zukunft Zuchtlinien verfolgen, die gute Abwehrmechanismen haben. Das Ziel ist, zukünftig möglichst wenig Medikamente gegen Varroa einsetzen zu müssen. Nach einem kurzen Bericht zur Züchtertagung in Seebergen durch Wolfgang Scheele ging es aufgeteilt in Gruppen an den Prüfstand zur Leistungsbeurteilung der Prüfvölker. Durch den Ringtausch von Königinnen haben die Züchter nicht nur die eigenen Königinnen, sondern auch Königinnen anderer Züchter zur Begutachtung vor Ort, wodurch eine bessere Vergleichbarkeit entsteht. In den Gruppen tauschten sich die Fachleute darüber aus, wie sie die verschiedenen Kriterien (beispielsweise Wabensitz oder Sanftmut) bewerten. So soll gewährleitet werden, dass die Prüfer mit vergleichbarem Maßstab an die Beurteilung der Völker herangehen.

Autor: Wolfgang Scheele

 

Fotos Löschner

09.06.2017