Toleranzbelegstellen und Unije-Königinnen
Drohnen werden von Natur aus in sehr hohem Überschuss aufgezogen und spielen für die natürliche Auslese von Bienenvölkern auf Vitalität und Krankheitstoleranz eine besondere Rolle. Sie werden oftmals besonders stark von Krankheiten und Parasiten des Volkes betroffen, wie beispielsweise von der Kalkbrut und in ausgeprägtem Maße von Varroamilben.
Drohnenbrut wird von Varroamilben für die Reproduktion deutlich bevorzugt. Sie wird etwa 10-fach stärker befallen als Arbeiterinnenbrut. Drohnen, die aus parasitierten Zellen hervorgehen, haben eine geringere Lebenserwartung und sind nicht oder nur eingeschränkt flugtüchtig. Außerdem ist ihre Spermienzahl reduziert. Unter Feldbedingungen (Versuch auf der Inselbelegstelle Norderney 2005) konnte nachgewiesen werden, dass der Paarungserfolg von stärker befallenen Drohnenvölkern signifikant herabgesetzt ist.
Mit dem Konzept der Toleranzbelegstellen versucht die AGT, diesen natürlichen Ausleseeffekt unterschiedlich anfälliger Drohnenvölker für eine systematische Auslese auf Varroatoleranz zu nutzen. Die auf Toleranzbelegstellen aufgestellten Drohnenvölker werden einer ständigen Konfrontation mit dem Parasiten ausgesetzt, in dem sie nicht oder nur sehr eingeschränkt gegen Varroamilben behandelt werden. Als wesentliche Grundlage einer Völkerführung ohne chemische Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Varroose hat sich die vollständige Entnahme aller verdeckelten Brutwaben einmalig im Zeitraum Juni - Juli bewährt. Die mit wenig ansitzenden Bienen entnommenen Brutwaben dienen zum Aufbau von Sammelbrutablegern. Diese verbleiben im Belegstellenbereich und können durch eine Behandlung mit Thymol oder Ameisensäure saniert werden. Sie entwickeln sich bei entsprechender Pflege zu überwinterungsfähigen Völkern. So können Ausfälle von Drohnenvölkern, die dem hohen Befallsdruck nicht standhalten konnten, aus dem Bestand heraus kompensiert werden. Zudem wird eine regelmäßige Befallskontrolle der Drohnenvölker mittels Auswaschung durchgeführt. Um eine gesunde Winterbienenaufzucht zu ermöglichen, sollte der Bienenbefall Anfang August unter 5 % liegen. Nur bei höheren durchschnittlichen Befallswerten werden die Drohnenvölker einer Sommerbehandlung mit Thymol oder Ameisensäure unterzogen werden. Eine Winterbehandlung wird daher nur im Notfall bei einer deutlichen Überschreitung dieses Wertes durchgeführt.
TABELLE!
Um trotz der Parasitierung der Drohnenvölker dennoch gute Paarungsergebnisse zu erzielen, werden auf Toleranzbelegstelle wesentlich mehr Drohnenvölker als auf konventionellen Belegstellen in der Größenordnung zwischen 25 – 100 Völkern aufgestellt. Aufgrund der großen Zahl und weiträumigen Verbreitung der auf den Belegstellen gepaarten Königinnen werden Drohnenvölker mit ausgezeichneten Zuchtwerten eingesetzt, wobei besondere Bedeutung einer hohen Winterfestigkeit ohne Behandlungsmaßnahmen im Vitalitätstest beigemessen wird.
Toleranzbelegstellen werden sowohl mit Drohnenvölkern einer einzelnen Geschwistergruppe, als auch mit Völkern mehrerer Geschwistergruppen betrieben. Bei einer einzelnen Geschwistergruppe, wie dies beispielsweise auf Norderney praktiziert wird, kann die Abstammung der zur Paarung gelangenden Drohnen im Abstammungsnachweis genau benannt und bei der späteren Zuchtwertschätzung berücksichtigt werden. Im Hinblick auf eine möglichst effektive Auslese besonders vitaler Drohnen hingegen wird in Anlehnung an natürliche Paarungsverhältnisse eine größere genetische Variabilität der Drohnenpopulation bevorzugt. Daher werden auf den meisten Toleranzbelegstellen, wie zum Beispiel auf Unije (Kroatien), Mönchgut (Rügen) und Gehlberg (Thüringen) Nachkommen unterschiedlicher Zuchtvölker verwendet. Da jedoch auch hier alle aufgestellten Drohnenvölker von gekörten Zuchtvölkern abstammen, können dort gepaarte Königinnen uneingeschränkt zur Reinzucht verwendet werden. In den Abstammungsnachweisen können ggf. die verschiedenen Vatervölker (4a) der Belegstelle aufgelistet werden, aber in der Zuchtwertschätzung kann die Abstammungsinformation der Drohnen, die im Programm nur eine einzige 4a erfassen kann, daher nicht berücksichtigt werden.
Auf der Toleranzbelegstelle Unije in Kroatien werden in größerem Umfang Königinnen angepaart, die von ausgewählten AGT Zuchtmüttern abstammen und von einem professionellen kroatischen Vermehrungsbetrieb aufgezogen werden. Die Drohnenvölker werden vor Ort von der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Universität Zagreb betreut. In diesem Jahr kommen folgende Zuchtmütter zum Einsatz: Für Herkunft Kirchhain das aus dem Vitalitätstest stammende Volk 7-139-475-06 des Züchters Heinrich Korn, für die Herkunft Bantin 8-1-2331-06 aus dem Bienenzuchtzentrum Bantin und von der Herkunft Lunz 99-132-12646-06 vom ACA-Züchter Anton Jagersberger, Groß Hollenstein. Von Zagreb erfolgt der Transport per Luftfracht über Frankfurt nach Hamburg. Die Weiseln werden in diesem Jahr zum Versandtermin 1: voraussichtlich am 04.06.08 und zum Versandtermin 2 am 02.07.08 per Post an die Interessenten verschickt. Da die Varroatoleranzbelegstelle Unije gänzlich ohne Zuschüsse allein aus den Einnahmen über den Weiselverkauf finanziert wird, möchten wir Sie aufrufen, zahlreich vom Kaufangebot Gebrauch zu machen. Diese hochwertigen auf Unije begatteten Königinnen können in Deutschland über das Bienenzuchtzentrum Bantin für einen Preis von 39,50 Euro pro Stück zuzüglich Versandkosten bezogen werden.
Kontakt:
Dr. Dyrba
Landesverband der Imker
Mecklenburg und Vorpommern e.V.
Bienenzuchtzentrum Bantin
Wittenburger Str. 3
D-19246 Bantin
Tel. u. Fax: 038851-25281
imker-mv@t-online.de
www: imker-in-mv.de
