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Dienstag, 23. Juli 2019

Varroatoleranzzucht – nur auf breiter Front erfolgversprechend!

Wenn man die Presse in den letzten Jahren verfolgt, liest man oft von überzüchteten Tieren. Demnach würde der Mensch nach Leistungskriterien selektieren, die er vorgibt und damit Tiere nachziehen, die in der „freien Wildbahn“ keine Chance zum Überleben haben.

Vorwürfe, die man auch den Züchtern der Honigbiene macht.

Dass dies nicht stimmt, dafür ist auch die Arbeit der AGT ein Beleg. Deren Hauptziel ist, neben den allgemeinen Leistungskriterien wie Honig, Sanftmut, Wabenstetigkeit und Schwarmträgheit, eine vitale und gesunde Honigbiene.

Dabei werden seit Jahren, mit Hilfe der Befallskontrollen der Völker auf Varroen und dem Nadeltest, die Populationen selektiert, die mit den Varroamilben „am besten zu Recht kommen“. Und dies mit beachtlichen Erfolgen, was die „Überlebenstests“ beweisen. Bei diesen Tests werden selektierte Völker auf abgelegenen Standplätzen ohne Varroabehandlung nach dem Leistungsjahr überwintert und ausgewintert. Inzwischen gibt es mehrere Abstammungen, die diese Kriterien erfüllen. Doch haben wir damit die Varroa im Griff? Dazu ein deutliches Nein!

 

Denn nun ist es wichtig diese Zuchtfortschritte in die Fläche zu geben. Der Aufbau der Toleranz-Belegstellen der AGT, wo auf der Vaterseite dieses Zuchtmaterial angeboten wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Außerdem muss den Imker/innen klar werden, dass sie mit dem Kauf solchen Bienenmaterials potenzielle Drohnenspender in die Fläche bringen. Mit diesen Drohnenspendern werden auch die Völker der Imker/innen „umgeweiselt“ die nicht Königinnen zukaufen, sondern ihre Weiseln standbegatten lassen.

 

Doch letztlich wird auch die Arbeit von uns Züchtern nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn die Imker/innen auch richtig gegen die Varroa behandeln, bis das selektierte Material in der Fläche „angekommen“ ist . Auch ein Volk welches mit einem gewissen „Varroadruck“ zu Recht kommt, wird eine „Invasion“ durch Varroen von Bienen aus zusammenbrechenden Völkern nicht überstehen. Diese Erfahrung mussten auch schon einige Züchter schmerzvoll machen, die ihre selektierten Völker überprüften und plötzlich durch Reinvasion von Nachbarständen Mühe hatten ihre Völker über den Winter zu bringen.

 

Unser aller Ziel muss es sein, mit keinen oder wenigen Behandlungen gegen die Varroa unsere Bienen zu halten. Die Züchter werden ihren Teil dazu beitragen, indem sie auch weiterhin entsprechendes Zuchtmaterial selektieren. Alle Imkerinnen und Imker sind aufgerufen mitzuhelfen, indem sie diesem Zuchtmaterial durch ihre Völkerführung in der Fläche auch eine Chance geben, sich zu beweisen.

 

Frank Nieser

Fachwart für Zucht

Landesverband Saarländischer Imker e.V.

09.10.2014