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Sonntag, 05. Februar 2012

Winterfestigkeit – ein wichtiges Auslesekriterium

In diesen Wochen wird vielen Imkern wieder bitter vor Augen geführt, von welch entscheidender Bedeutung eine hohe Winterfestigkeit für das Überleben ihrer Völker ist. Während die Kurzlebigkeit schlecht ernährter oder kranker Bienen während des Sommers aufgrund verstärkter Bruttätigkeit oftmals verborgen bleibt, treten Schwächungen während der Überwinterung unverschleiert zu Tage.

Für den Verlauf  der etwa 50 Millionen Jahre währenden natürlichen Auslese unserer Bienen war eine hohe Winterfestigkeit daher ein herausragendes Selektionskriterium. Aber durch die „Errungenschaften“ der modernen Imkerei - vom geschützten Bienenhaus, über die optimale Fütterung bis zum regelmäßigen Rückgriff auf Medikamente – ist das Bewusstsein darum immer weiter in den Hintergrund getreten. Zweifelsohne können die vielfältigen Pflegemaßnahmen uns kurzfristig große wirtschaftliche Vorteile verschaffen. Doch weil dadurch auf schwächliche und krankheitsanfällige Völker am Leben erhalten werden, kann es auf Dauer zu einer Verschlechterung von Erbeigenschaften und einer Zunahme von Völkerverlusten führen.

Aus diesem Grunde tragen die Züchter eine besondere Verantwortung. Sie müssen alle Anzeichen von Schwäche und Krankheiten besonders aufmerksam registrieren. Winterfestigkeit, als besonders aussagefähiger Vitalitätsindikator, steht daher als Auslesekriterium auf jedem Körschein. Allerdings bleibt das entsprechende Feld oftmals leer und viele Züchter sind unsicher, wie sie das Merkmal überhaupt beurteilen sollen.

Am Bieneninstitut Kirchhain wurde in früheren Jahren die Menge toter,  im Laufe des Winters abgefallener Bienen vor dem ersten Reinigungsflug ausgemessen. Aber manchmal verpasst man den rechten Zeitpunkt und vernachlässigt noch auf den Waben befindliche tote Bienen. Außerdem gibt es Störungen und Krankheiten, bei denen Bienen die Beute trotz winterlicher Temperaturen verlassen und außerhalb zugrunde gehen.

Als sicherste Methode zur Beurteilung der Winterfestigkeit empfiehlt sich daher ein Vergleich der Volksstärke zu Beginn des Winters (etwa Mitte Oktober, sobald sich die Wintertraube bildet und die Brutaufzucht endet) und zur Auswinterung (etwa Mitte März, rechtzeitig ehe größerer Brutflächen schlüpfen). Mit ein wenig Übung kann man die Zahl der Bienen Wabenseite für Wabenseite abschätzen und aufaddieren (sog. Liebefelder Schätzmethode). Diese für wissenschaftliche Untersuchungen übliche Methode kann in der Züchtungspraxis durch eine einfache Zählung der besetzten Waben ersetzt werden. Allerdings muss man sich hierzu einen Eindruck vom Umfang der besetzten Wabenfläche verschaffen und teilbesetzte Waben zusammenfassen, um zu brauchbaren Vergleichswerten zu gelangen.

Zur Auswertung teilt man die zur Auswinterung ermittelte Bienen- bzw. Wabenzahl durch den entsprechenden Herbstwert. Dadurch erhält man einen Überwinterungsquotienten, der unabhängig von der absoluten Einwinterungsstärke eine Aussage über die Qualität der Winterbienen liefert. Bei einer normalen Überwinterung sollten 70-90% der eingewinterten Bienen bis zum Frühjahr überleben. Werte unter 0,7 stehen für eine schlechte, Werte über 0,9 für eine gute Winterfestigkeit. Gelegentlich kommt es sogar zu einem Stärkezuwachs, also Überwinterungsquotienten größer 1,0.

Diese Vorgehensweise hat sich insbesondere auch in den Vitalitätstests der AGT bewährt, bei denen Vergleichsvölker ganz ohne Medikamenteneinsatz eingewintert werden, um Unterschiede in der Varroaanfälligkeit besonders deutlich werden zu lassen. Von den überlebenden Völkern werden vornehmlich die gekört und in starkem Maße vermehrt, die sich durch einen hohen Überwinterungsquotienten, also eine gute Winterfestigkeit ausgezeichnet haben.

28.08.2009