Sie sind hier: Home
Deutsch
English
Français
Nederlands
Dienstag, 25. Juli 2017

Zucht und Selektionsmethoden in der ACA

Ab dem Jahr 2005 änderten sich die züchterischen Maßnahmen der ACA gravierend. Die neue wissenschaftliche Erkenntnis, dass in Bienenvölkern der Rasse Carnica doch gewisse Abwehrstrategien der Bienen gegen die Varroa-Milbe vorhanden sind , motivierte eine kleine Gruppe von ACA-Züchtern aus Österreich sich mit dieser Thematik zu beschäftigen.

Reaktion von Prüfkolonien, die Königinnen wurden mit einem Drohn besamt, auf eingebrachte Varroa-Milben

Ausprägung bei Ertrags- Völkern mit selektierten Königinnen .

Sehr bald gab es, mit Hilfe der Selektions-Methoden der AGT, erste Erfolge, Bienenvölker herauszufiltern, die aufgrund eines gesteigerten Bruthygieneverhaltens ein wesentlich geringeres Milbenaufkommen aufwiesen. Noch wussten wir nicht welche Mechanismen in den Bienenvölkern vorhanden sind, die eine deutliche geringere  Varroa-Entwicklung hatten. Es gab bei Völkern, die ein sehr gutes Bruthygieneverhalten beim Nadeltest aufwiesen, interessanterweise gravierende Unterschiede in der Milbenentwicklung. Daher wurden Völker und deren Nachkommen, die diese positiven Eigenschaften zeigten, in ein Schutzgebiet gebracht, welches zugleich auch als (Toleranz-)Belegstelle genutzt wurde. Der  Erfolg dieser Strategie war zum Teil ernüchternd, denn trotz des hohen Arbeitsaufwands gab es leider noch zu wenige Königinnen mit einer verminderten Milbenreduktion. Dennoch waren wir der Ansicht, dass man bestimmte Merkmale in eine Zuchtpopulation am besten über die kontrollierte Anpaarung mit vorselektierter Drohnen einbringt. Jahr für Jahr verbesserte dies zusammen mit der künstlichen Besamung konsequent die Varroa-Abwehr unserer Völker.

Mittlerweile stieg die generelle Varroa-Abwehr weiter an, und es waren immer mehr Königinnen mit einer immer stärker ausgeprägten Varroa-Abwehr in den Prüfkolonien. Mit diesen ersten Erfolgen wuchs auch die Begeisterung an der Arbeit. Es wurde eine eigene Arbeitsgruppe innerhalb der ACA gegründet mit definierten Aufgabenbereichen. 2011 wurde Sperma aus  Deutschland bezogen, welches sich positiv auf die Leistung unserer vorselektierten Königinnen auswirkte. Bei fast allen Völkern von Königinnen, welche mit diesem Sperma besamt wurden, zeigte sich ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Bruthygieneverhalten. Nur das Problem mit der erwünschten Erbfestigkeit blieb leider weiterhin bestehen. Wir mussten uns also Gedanken über eine zielführendere Verpaarung der Königinnen machen. 2014 wurden die ersten Versuche der Besamung mit einem Drohn je Königin gemacht. Die Technik war nicht neu und ist früher für andere Merkmale angewandt worden. Es ist eine hervorragende Möglichkeit die Genetik der Königinnen und ihre Anpaarung in einzelne Teile zu „zerlegen“. 2015 besamten wir, von zwei verschiedenen Abstammungen je 20  Königinnen mit je einem Drohn einer vorselektierten Königin. Davon zeigten acht Königinnen nach verschiedenen Testmethoden (Brutauszählen) ein ausgeprägtes VSH Verhalten. Von den fünf  besten Königinnen wurden noch 2015 ausreichend  Nachzuchten angelegt. Somit konnten wir 2016  erstmals  auch auf einer Belegstelle  und in der Besamung Genetik aus der Selektion der besten mit einem Drohn besamten Königinnen  verwenden und einer breiteren Masse an Züchtern zugänglich machen. 2016 wurden erneut Königinnen mit einem Drohn besamt. Die Auswertungen werden im nächsten Jahr erfolgen. Voraussichtlich wird eine zentrale Auswertungsstelle nach Kirchhainer Vorbild installiert. Ein nachhaltiger Erfolg unserer Arbeit wird möglicherweise davon abhängig sein,  wie wir das Erarbeitete speichern können. Wahrscheinlich wäre es von Nutzen,  sichere Schutzgebiete (Genspeicherorte) zu installieren, in welche wir laufend die neueste und beste Genetik einbringen und welche wir auch als Belegstellen verwenden, aber auch die Bereitschaft anderer Züchter (Genetische Vielfalt) sich an der Arbeit zu beteiligen.

 

Karl Perner

ACA Landesbeauftragter für die Steiermark

                                                                                                          

03.11.2016