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Dienstag, 17. Juli 2018

BLE-Projekt zur Varroa-Toleranzzucht

Im April 2009 erfolgte am Bieneninstitut in Kirchhain der Startschuss für das BLE-Projekt „Auslese und Verbreitung vitaler Honigbienen zur Absenkung von Völkerverlusten und Tierarzneimitteleinsatz in einem schadschwellenorientierten Bekämpfungskonzept“. Langfristiges Ziel dieses Projektes, das zusammen mit dem Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf e.V, der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau und der Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht e. V. durchgeführt wird, ist die Verbreitung widerstandsfähiger Bienen, um den Einsatz von Behandlungsmitteln zu reduzieren. Dies soll durch Anwendung zusätzlicher Selektionsverfahren (Vitalitätstest), eine Optimierung der Zuchtwertschätzung und die Einrichtung und Optimierung von Toleranzbelegstellen erreicht werden.

Bewährung unter Befallsdruck I: Vitalitätstest
Auf dem Weg zu leistungsfähigen Völkern, die ohne imkerliche Hilfestellung aus eigener Kraft überwintern können, stellt der sogenannte Vitalitätstest ein wichtiges Werkzeug zur Beurteilung der Widerstandsfähigkeit der Bienenvölker dar. Hierbei werden ausgesuchte Völker nach Abschluss der Leistungsprüfung weiter beobachtet und erst nach erfolgter Winterbienenaufzucht gegen die Varroamilbe behandelt. Im Mittelpunkt stehen dabei ihre Volks- und Befallsentwicklung. Hinzu kommen Untersuchungen zur Anfälligkeit gegenüber Viren und anderen Infektionen. Der Vitalitätstest dient als Bewährungsprobe unter hohem Befallsdruck. Da Völker, die unter diesen Bedingungen eine hohe Winterfestigkeit aufweisen, in besonderem Maße als Zuchtvölker für das Ausleseprogramm der AGT geeignet sind, soll diese Information routinemäßig in die Zuchtauslese der AGT eingebunden werden.

Bewährung unter Befallsdruck II: Toleranzbelegstellen
Neben dem Vitalitätstest sind Toleranzbelegstellen der zweite wichtige Baustein zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit von Bienenvölkern. Die verminderte Fitness parasitierter Drohnen und der hohe Drohnenüberschuss führen unter natürlichen Bedingungen zu einer massiven Auslese auf Vitalität. Die Toleranzbelegstelle will diesen Selektionsdruck gezielt für eine systematische Auslese auf Varroatoleranz nutzen. Daher sind die dort aufgestellten Drohnenvölker einer ständigen Konfrontation mit dem Parasiten ausgesetzt, in dem sie nur selektiv gegen Varroamilben behandelt werden. Im Rahmen des BLE-Projektes sollen bundesweit 10 Toleranzbelegstellen eingerichtet werden, um den Zuchtfortschritt schnell und effektiv an alle Imker und Züchter weitergeben zu können. Zudem werden umfangreiche Experimente zur Paarungssicherheit von Landbelegstellen durchgeführt. Neben klassischen Fang-Wiederfang-Untersuchungen kommen dabei auch moderne molekulargenetische Methoden zum Einsatz, um so Fragen zu den Anforderungen an die Größe und das Management von Toleranzbelegstellen klären zu können.

Beide "Bewährungsproben", Vitalitätstest und Toleranzbelegstellen, sollen dazu beitragen, die Auslese und Zucht varroatoleranter Honigbienen weiter voran zu treiben, um so Völkerverluste und Tierarzneimitteleinsatz in der allgemeinen Bienenhaltung durch eine gezielte Verbreitung widerstandsfähiger Bienen zu senken. Wenn Sie Interesse an der Mitarbeit haben oder nähere Informationen zum Projekt wünschen, wenden Sie sich bitte an:

Ina Heidinger
Bieneninstitut Kirchhain

Projektkontakt

Ina Heidinger
Bieneninstitut Kirchhain
Erlenstraße 9
35274 Kirchhain
Tel.: 06422/9406-45
Email: Ina.Heidinger(at)llh.hessen(dot)de