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Montag, 22. Mai 2017

Toleranzbelegstellen

In den Toleranzbelegstellen sieht die AG Toleranzzucht eine hervorragende Möglichkeit, Drohnen einer starken natürlichen Selektion in Richtung Varroatoleranz zu unterwerfen. Neben dem Vitalitätstest sind sie der zweite wichtige Baustein zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Züchter auf dem Weg zu einer varroatoleranten Biene.
 
Üblicherweise sind die Drohnenvölker einer Belegstelle nach intensiver Entmilbung im Winter weitgehend frei von Varroen. Das ist auch sinnvoll, denn mit der Drohnenaufzucht geht eine massive Milbenvermehrung einher. Gleichzeitig werden aber vorhandene Unterschiede zwischen den Drohnenvölkern verschleiert, mit der Milbe klar zu kommen.
 

Der parasitierte Drohn

Die Idee, Toleranzbelegstellen einzurichten, beruhte auf der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass der Paarungserfolg von Drohnenvölkern stark von ihrem Befallsgrad beeinflusst wird. Wird ein Drohn während seiner Brutentwicklung von einer einzigen Varroamilbe parasitiert, hat das bereits erhebliche Konsequenzen auf seine Chancen, sich mit einer jungen Königin zu verpaaren:

  • Seine Flugfähigkeit ist vermindert
  • Sein Orientierungsvermögen ist schlechter
  • Die Spermienzahl ist wesentlich verringert
  • Seine Lebenserwartung ist stark verkürzt

 
Die Fitness des parasitierten Drohns ist folglich gegenüber der seiner unbeschadet aufgewachsenen Konkurrenten deutlich herabgesetzt. Das sind unter Belegstellenbedingungen mehrere tausend, die sich um einige hundert Königinnen balgen.
 
Im Vermehrungsgeschehen der Honigbiene unterliegen die Drohnen einer scharfen natürlichen Selektion. Nur 0,1 % der aufgezogenen Drohnen gelingt tatsächlich eine Paarung. Die Toleranzbelegstelle will diesen Selektionsdruck gezielt unter dem Aspekt Varroatoleranz nutzen. Drohnenvölker, in denen die Milbenvermehrung schnell voranschreitet, werden ihre Gene kaum an die nächste Generation weitergeben können.
Dagegen werden Drohnenvölker, in denen die Milbenvermehrung bei gleicher Drohnenbrutfläche verhaltener verläuft, die größeren Paarungserfolge aufweisen.
 

Drohnenvölkermanagement

Trotz der erhöhten Milbenbelastung müssen auch auf einer Toleranzbelegstelle genügend begattungsfähige Drohnen fliegen. Die schlechte Qualität parasitierter Drohnen wird durch ein mehr an Drohnenvölkern kompensiert.
Der Befallsgrad der Völker wird ständig überwacht. Wird die Schadschwelle überschritten, können geeignete Maßnahmen getroffen werden. Beispielsweise kann die gesamte verdeckelte Brut entnommen werden, was rund 80 % der Milben entfernt.
Bereits beim Aufbau werden die Drohnenvölker gezielt nach dem Schadschwellenprinzip behandelt. Zu stark belastete Völker werden im Winter einmalig mit Milchsäure besprüht.
 
Toleranzbelegstellen erfordern einen hohen zusätzlichen Aufwand, so dass ihre Zahl sicherlich begrenzt bleiben wird. Die bisherigen Erfahrungen zeigen jedoch, dass Königinnen bei einer ausreichenden Anzahl Drohnenvölker auch auf Toleranzbelegstellen vollwertig begattet werden.
 
 

Wieviele Vatervölker (4a)?

Bei der Anzahl der Vater- oder Gattenvölker (4a), deren Nachkommen auf Toleranzbelegstellen präsent sind, werden zur Zeit zwei Wege beschritten. Auf der Belegstelle Norderney kommt beispielsweise ausschließlich eine Geschwistergruppe zur Aufstellung, auf anderen Toleranzbelegstellen wie etwa auf Gehlberg gibt es mehrere Geschwistergruppen, die dort in gewisser Weise miteinander konkurrieren.
Für die Auswertung der Prüfdaten bedeutet dies, Anpaarungen auf Norderney können in der Zuchtwertschätzung in vollem Umfang berücksichtigt werden. Kommen dagegen mehrere 4a für die Vaterschaft in Frage, wird der väterliche Einfluss in der Zuchtwertberechnung auf 100, also auf den Durchschnitt der Population, gesetzt. Die Güte der Anpaarung kommt erst in den Folgegenerationen zum Ausdruck. Erst dann wird deutlich, welch hervorragende „Gene in der Kiste“ waren, aus der die Drohnen stammten.
 
Nimmt man statt der Zuchtwertberechnung die Selektionsschärfe als entscheidendes Kriterium, schneidet der zweite Weg mit mehreren Geschwistergruppen auf der Toleranzbelegstelle am besten ab. Hier kommt es zu einer scharfen natürlichen Auslese, weil sich die Drohnenvölker genetisch stärker voneinander unterscheiden. Unterschiede in der Anfälligkeit gegenüber Varroa schließen einzelne Drohnenvolkgruppen in Teilen oder gar komplett von der Weitergabe ihrer Gene in die nächste Generation aus.
 
Vater- oder Gattenvölker (4a), die auf den Toleranzbelegstellen zur Aufstellung gelangen, haben überdurchschnittliche Zuchtwerte (A-Körung), insbesondere in den Toleranzkriterien „Anzahl Varroen“ und „Ausräumrate“ und/oder sie sind im Vitalitätstest besonders positiv aufgefallen.
 

Toleranzzucht Belegstellen

Diese Belegstellen werden als Toleranzbelegstellen betrieben:

Erbeskopf
Toleranz Landbelegstelle
Rheinland-Pfalz
Gehlberg
Toleranz Landbelegstelle
Thüringen
Haßberge
Toleranz Landbelegstelle
Bayern
Hoher Randen
Toleranz Landbelegstelle
Baden-Württemberg
Hundeluft
Toleranz Landbelegstelle
Sachsen-Anhalt
Jasnitz
Toleranz Landbelegstelle
Mecklenburg-Vorpommern
Mali Drvenik 
Toleranz Inselbelegstelle
Kroatien
Norderney
Toleranz Inselbelegstelle
Schleswig-Holstein
St. Johann
Toleranz Landbelegstelle
Bayern