Sie sind hier: Zuchtprogramm / Vitalitätstest
Deutsch
English
Français
Nederlands
Montag, 22. Mai 2017

Vitalitätstest

Die Fähigkeit der Bienen, ohne imkerliche Hilfestellung mit der Varroamilbe zu überleben, lässt sich mit den zwei geprüften Toleranz-Merkmalen „Befallsentwicklung“ und „Ausräumverhalten“ nur bedingt beschreiben, denn es handelt sich um Hilfsmerkmale. Eine direkte Prüfung auf Varroatoleranz würde jedoch den Zusammenbruch der Zuchtpopulation bedeuten. Der Vitalitätstest ist der Versuch, ausgewählte Völker für einen definierten Zeitraum und unter kontrollierten Bedingungen dieser direkten Prüfung auf Varroatoleranz zu unterziehen.


In der Leistungsprüfung zeichnen sich einzelne Völker dadurch aus, manipulierte Zellen besonders schnell auszuräumen und nur einen verhaltenen Anstieg der Milbenpopulation zu dulden. Solche Völker werden, wenn sie in den anderen Eigenschaften ebenfalls überdurchschnittlich sind und Anfang Juli (27. KW) weniger als 2 % Milbenbefall zeigen, in unserem Vitalitätstest weiter beobachtet.

Während die Leistungsprüfung mit der letzten Honigernte endet, werden Völker im Vitalitätstest noch bis zur Auswinterung im Folgejahr kontrolliert. Sie sollen den Winter volksstark und ohne Varroabehandlung überstehen. Im Mittelpunkt der Beobachtung stehen die Volks- und Befallsentwicklung, zusätzlich wird die Anfälligkeit gegenüber Viren und anderen Infektionen untersucht.

Ein abgelegener Standplatz, der vor Reinfektion durch Varroamilben von Nachbarständen geschützt ist, eignet sich ideal für den Vitalitätstest.

Varroamilben vermehren sich, solange das Bienenvolk brütet. Gleichzeitig kann die Bienenpopulation im Spätsommer mehr oder weniger stark zurückgehen, abhängig von der Brutfläche und dem Anteil geschädigter Bienen. Beide Kriterien, Milbenbefall wie Bienenpopulation, beeinflussen die Überwinterungsfähigkeit entscheidend. Deshalb werden beide ab der 32. KW im Abstand von 3 Wochen bewertet. Bis zur 41. KW Anfang Oktober werden insgesamt vier mal die Bienenpopulation anhand der besetzten Waben geschätzt und eine Bienenprobe gezogen, um den Milbenbefall zu messen. In der 35. KW wird zusätzlich eine Bienenprobe für die Untersuchung auf Virus- und Nosemabefall gezogen.

Aus früheren Untersuchungen liegen Schadschwellen für den Milbenbefall an den Probeterminen vor. Überschreitet ein Volk die Schadschwelle, wird es vorzeitig aus dem Test genommen und behandelt. Chancen auf eine erfolgreiche Überwinterung haben Völker mit mindestens 10.000 Bienen und einem Milbenbefall unter 10 % bei der letzten Bewertung Anfang Oktober.

Wichtigstes Ergebnis des Vitalitätstests ist der Überwinterungsindex. Er ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen ausgewinterten zu eingewinterten Bienen und sollte nah an 1,0 liegen.

Der Vitalitätstest dient als Bewährungsprobe unter hohem Befallsdruck. Völker, die unter diesen Bedingugen eine hohe Winterfestigkeit aufweisen, sind in besonderem Maße als Zuchtvölker für das Ausleseprogramm der AGT geeignet.