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Sonntag, 20. Oktober 2019

Änderungen bei der Auswertung des Nadeltests

Der Nadel- oder Pintest beruht auf der Erkenntnis, dass Bienen befallene Brutzellen erkennen und ausräumen können, dies aber unterschiedlich intensiv praktizieren. Der Test ist eine einfache Methode, dieses Verhalten zu überprüfen. Dabei wird bewertet, wie stark die Bienen eines Volkes auf geschädigte Brut bestimmten Alters reagieren.

Schablone für den Nadeltest auf verdeckelter Brut (1) Der dicke Rahmen stellt den Ausschnitt der Schablone dar (2). Mit einer Kantenlänge von 5,4 cm umgrenzt er 10 x 10 = 100 Brutzellen innerhalb der Schablone. Die dicken Punkte (3) sind die mit dem Edding Stift aufgebrachten Markierungen, die den Versuchsbereich begrenzen. Die angestochenen Versuchszellen (4) sind mit einem kleinen Punkt markiert.

Wichtig ist das Stadium der angestochenen Puppen. Gesucht werden solche mit weiß, rosa oder braun ausgefärbten Augen. In diesem Alter werden die Puppen beim Anstechen der Brutzelle sicher getroffen und von den Bienen kontinuierlich ausgeräumt. Streckmaden oder jüngere Puppen sind sehr weich und werden daher sehr schnell ausgeräumt. Das Ergebnis würde zu Gunsten des Volkes verfälscht. Ältere Puppen sind dagegen schon sehr hart, da die Chitinbildung bereits begonnen hat. Diese Brutzellen werden von den Bienen nur zögerlich geöffnet und ausgeräumt. Der Nadeltest sollte mindestens zweimal, wenn möglich dreimal im Laufe einer Saison durchgeführt werden.

Beim Test entnimmt man eine Brutwabe mit größeren verdeckelten Brutbereichen aus dem Volk, kontrolliert einzelne Brutzellen, ob das richtige Brutstadium vorliegt und legt die Schablone auf einen geeigneten Brutbereich.

Mit einem Edding-Stift wird die obere linke und die untere rechte Zelle in dem 10 x 10 Zellen umfassenden Schablonenbereich markiert. Anschließend sticht man mit einer Insektennadel (Stärk 2) mittig durch den Zelldeckel bis zum Grund  (größerer Widerstand!) insgesamt 50 Brutzellen zeilenweise von links nach rechts und von oben nach unten an. Leere und unverdeckelte Brutzellen werden dabei einfach übersprungen. Die 51. Zelle wird wiederum mit dem Edding Stift markiert. Danach wird die Wabe an ihre ursprüngliche Position zurück gehängt und das Volk verschlossen.

 

Ab  2019 gibt es jetzt eine Veränderung in der Auswertung des Nadeltest. Es werden nur noch die verdeckelten, unberührten Zellen im Kontrollbereich gezählt. Alle geöffneten und teilweise ausgeräumten Zellen zählen als „ausgeräumt“, da schon durch das Öffnen der Zellen die Entwicklung der Milben gestört wird.

Hatte das Varroa-Weibchen bereits mit der Eiablage begonnen, wird der Reproduktionszyklus unterbrochen. Da die Entwicklungsstadien außerhalb der Brutzelle nicht lebensfähig sind, sterben sie ab. Hatte die Muttermilbe noch nicht mit der Reproduktion begonnen, verliert sie Zeit bei der Suche nach einer neuen, geeigneten Brutzelle.

Wie Untersuchungen in den letzten Jahren gezeigt haben, stehen die Nadeltest-Ergebnisse in signifikantem Zusammenhang mit der Varroa Befallsentwicklung. Der Anteil unberührt verdeckelter Zellen ist dabei bedeutsamer als der Anteil vollständig ausgeräumter Zellen.

Außerdem sind unberührte Zellen in der Praxis leichter zu erkennen und zu zählen.

Die Messung der verdeckelten Zellen ermöglicht eine Verkürzung der Kontrollzeit auf 5-6 Stunden.

 

Beispiel:

Nach 5 Stunden Kontrollzeit sind 23 Zellen noch vollständig verschlossen.

50 angestochene Zellen minus 23 verdeckelte Zellen = 27 ausgeräumte Zelle

27 x 2 = 54% Ausräumrate

Albrecht Stoß

04.04.2019