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Wednesday, 23. September 2020

CBPV – eine neue Herausforderung für Züchter

In den letzten Jahren ist es in Deutshland zu einer zunehmenden Verbreitung des Chronische Bienenparalyse Virus (CBPV) gekommen.

In den letzten Jahren ist es in Deutshland zu einer zunehmenden Verbreitung des Chronische Bienenparalyse Virus (CBPV) gekommen. Im Gegensatz zu anderen Viruserkrankungen ist ein akuter Befall aufgrund typischer Symptome, insbesondere  der Schwarzfärbung und krampfartiger, zittriger Bewegungen für aufmerksame Imker leicht zu erkennen. Das Erscheinungsbild und grundlegende Fakten zu Ursachen, Verbreitung und Bekämpfung der Krankheit hat Frau Dr. Meixner kürzlich in einem Übersichtsartikel dargelegt (siehe Meixner, M.: Schwarze Krabbler am Flugbrett. ADIZ/db/IF 2/2012).

Unter den komplexen Einflussfaktoren, die zu einem Ausbruch der Krankheit führen, kommt auch der genetischen Veranlagung der Bienen Bedeutung zu. Schon vor Jahrzehnten konnte bewiesen werden,  dass es unterschiedlich anfällige Linien gibt und durch entsprechende Auslese innerhalb weniger Generationen signifikante Selektionseffekte erzielt werden können. Dabei zeigen sich die Unterschiede bezüglich der Anfälligkeit und Lebenserwartung nicht nur bei Arbeitsbienen sondern auch bei Königinnen, die im Falle einer Infektion innerhalb weniger Tage verenden können.

Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht wird der Auslese auf Vitalität und Widerstandsfähigkeit besondere Bedeutung beigemessen. Daher wollen die angeschlossenen Züchter der zunehmenden Verbreitung von CBPV durch konsequente Selektion entgegen treten. Auf ihrer letzten Mitgliederversammlung haben sie sich darauf verständigt, alle bei der Prüfung von Völkern auftretenden Symptome zu erfassen und in die zentrale Zuchtwertdatenbank einfließen zu lassen. Aufgrund des intensiven Königinnentausches und der Vielzahl beteiligter Prüfer besteht eine gute Chance, genetisch bedingte Anfälligkeit auch dann frühzeitig zu erkennen, wenn viele der Prüfstände keiner Infektionsgefahr ausgesetzt sind.

Um unterschiedliche Anfälligkeit bestimmen zu können, ist es im Prüfbetrieb durchaus sinnvoll, erkrankte Völker über einige Zeit unbehandelt zu beobachten. Erst wenn alle Völker einem gewissen Infektionsdruck unterworfen sind, lässt sich die angestrebte Widerstandsfähigkeit nachweisen. Allerdings sollten stark befallene Völker in jedem Fall abgetötet oder isoliert aufgestellt und umgeweiselt werden.

Alle anfälligen Völker sind grundsätzlich von der Königinnenvermehrung und Drohnenproduktion auszuschließen. Besondere Vorsicht ist auch bei der Auswahl von Pflegevölkern und Bienenspendern für Begattungsvölker angesagt: diese müssen unbedingt befallsfrei sein, um eine Infektion der jungen Königinnen zu vermeiden, die in der Folge zu Königinnenverlusten und einer Verbreitung des Virus über den Königinnenhandel führen könnte.

 

Dr. R. Büchler,

LLH Bieneninstitut Kirchhain

19.01.2012