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Samstag, 14. Dezember 2019

Die Instrumentelle Besamung – unverzichtbar für die Varroatoleranzzucht

Seit der Einschleppung der Varroamilbe hat man neben der Suche nach Bekämpfungsmittel versucht Bienenvölker zu selektieren, die mit der Varroamilbe leben können. Dabei wusste man am Anfang nicht, welche Kriterien für die Suche anlegen sollte.

Die AGT wurde gegründet, um solche Kriterien zu entwickeln und diese gleichzeitig in die Zuchtarbeit zu integrieren. In den letzten zehn Jahren haben sich durch ihre Arbeit für die Praxis zwei Messparameter herausgebildet. Dies sind die Ausräumrate und der natürliche Milbenbefall. Dass man hier auf dem richtigen Weg ist, zeigen die Erfolge der letzten Jahre. Hat man früher noch die Ausräumrate in einer Zeit von 24 Stunden gemessen, so muss man heute schon nach 8-12 Stunden die ausgeräumten Zellen zählen, um noch vergleichen zu können. Auch gibt es heute immer mehr Bienenvölker, bei denen sich trotz eines hohen Brutumsatzes über das Bienenjahrhinweg, die Milben nur wenig vermehren.

Mit Hilfe der Zentralen Zuchtwertschätzung wurde nach Auswertung der Prüfergebnisse festgestellt, dass die Ausräumrate in hohem Maße von der väterlichen Seite beeinflusst wird. In der Folge wurden Varroatoleranzbelegstellen geschaffen, auf denen man die Drohnenvölker weitgehend unbehandelt lässt. So kommen trotz einer nicht unerheblichen Varroabelastung nur die vitalsten Drohnen zum Zug. Außerdem wurde dem Varroaindex bei der Zuchtwertschätzung eine größere Bedeutung beigemessen und dies auch bei der Auswahl der Drohnenvölker auf den Inseln berücksichtigt. Auch diese Maßnahmen zeigten die gewünschte Wirkung.

 

Da jedoch die Anzahl der sicheren Inselbelegstellen begrenzt sind, ist es nur möglich wenige Drohnenlinien pro Jahr in die Zucht hereinzunehmen. Mit der ständig wachsenden Zahl von Besamungsstellen haben wir nun nicht nur die Möglichkeit viel mehr Drohnenabstammungen in die Zucht einzubinden. Bei der instrumentellen Besamung ist man in weiten Teilen wetterunabhängig, kennt genau die Spermamenge, die die Bienenkönigin aufgenommen hat und muss nicht die zum Teil weiten Wegen zu den Inselbelegstellen in Kauf nehmen. Dabei wurde durch immer neue Erkenntnisse zur Paarungsbiologie der Honigbiene, Entwicklung der Drohnen und Lagerung von Drohnensperma die Technik der Besamung immer weiter verbessert. Heute werden Bienenköniginnen besamt, die in ihrer Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit sich nicht von natürlich begatten Weiseln unterscheiden. Doch nicht allein in dem Mehr an Drohnenvölker für die Zuchtpopulation, liegt die Bedeutung der Instrumentellen Besamung.

 

Heute messen wir die Leistungen des Bienenvolks als Ergebnis verschiedener Halbgeschwistergruppen (allen haben dieselbe Mutter aber unterschiedliche Väter). Würde man nun nur einen Drohnen verwenden, so wären alle Bienen praktisch genetisch gleich. Man könnte dann z.B. das Ausräumverhalten genau den beiden Abstammung und deren Kombination zuordnen. Dies ist der Grundgedanke der 1-Drohn-Besamung, der heute in der Forschung große Bedeutung beigemessen wird. Neben einem hohen Arbeitsaufwand für die kleinen Prüfeinheiten, haben die so besamten Weisel jedoch keinen ausreichenden Spermavorrat, um starke Wirtschaftsvölker aufzubauen und mehrere Jahre zu leben. Deshalb ist es für den Züchter in der Praxis schwer, sich an dieser Forschungsarbeit zu beteiligen.

Von mir wird deshalb der Gedanke der 1-Volk-Besamung verfolgt. Dabei werden die Drohnen nur von einem vollgekörten Volk genommen. Die daraus resultierenden Bienen sind zwar nicht so „genetisch ähnlich“ wie bei der 1-Drohn-Besamung. Aber doch enger verwandt, als wenn Drohnen von mehrere Drohnenvölker genommen werden. Der Vorteil so besamter Königinnen ist, dass deren Völker ganz normal in die Leistungsprüfung integriert werden können und neben dem Varroaindex auch alle anderen Prüfparameter wie Honigertrag, Sanftmut, Wabensitz und Schwarmverhalten bewerten werden können.

 

Es ist sicher, dass beide Methoden uns dem Ziel einer Varroa toleranten Bienen ein Stück weit näher bringen werden. Und dies wäre ohne die instrumentelle Besamung nicht möglich.

 

Frank Nieser

Fachwart für Zucht

Landesverband Saarländischer Imker e.V.

21.02.2019