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Sunday, 20. September 2020

Erfolgreiche Belegstellenbeschickung und Sammeltransporte

Das Beispiel der Varroatoleranzbelegstelle Norderney Detlef Ottersbach

Fotos von Herrn Tiesler

Mit dem Konzept der Toleranzbelegstellen nutzt die Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht (agt), den natürlichen Ausleseeffekt unterschiedlich anfälliger Drohnenvölker. Die auf Norderney aufgestellten Drohnenvölker werden einer ständigen Konfrontation mit dem Parasiten ausgesetzt, indem sie nicht oder nur sehr eingeschränkt gegen Varroamilben behandelt werden. Damit trotz der Parasitierung der Drohnenvölker gute Paarungsergebnisse zustande kommen, sind wesentlich mehr Drohnenvölker als auf konventionellen Belegstellen vorhanden.

Die Königinnen stellt das Bieneninstitut Kirchhain (agt), sie werden von der Belegstellenleitung eingeweiselt und betreut. Die Völker verbleiben ganzjährig auf der Insel.

Die Belegstelle wird mit Drohnenvölkern einer einzelnen Geschwistergruppe - also merkmalskonform - betrieben. Dabei kann die Abstammung der zur Paarung gelangenden Drohnen im Abstammungsnachweis genau benannt und bei der späteren Zuchtwertschätzung berücksichtigt werden.

Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht wird der Auslese auf Vitalität und Widerstandsfähigkeit besondere Bedeutung beigemessen. Die Drohnenvölker werden sorgfältig geführt und fortlaufend auf ihren Gesundheitszustand überprüft, wobei bei 3 Kontrollen (Frühjahrsdurchsicht, Kontrolle im Mai und Brutentnahme im Juli) zumindest jeweils ein weiterer erfahrener Züchter hinzugezogen wird. Neben der Entnahme von Merkmalsproben werden nach AGT-Richtlinien im Frühjahr, Sommer und Herbst Befallskontrollen vorgenommen sowie ein zweimaliger Nadeltest durchgeführt. Regelmäßig werden Futterkranzproben entnommen. Alle Beobachtungen und Ergebnisse werden dabei sorgfältig protokolliert und ggf. mit Experten abgeglichen.

Die enge Zusammenarbeit mit den beschickenden Züchtern und Bieneninstituten der Länder ermöglicht einen fachlichen Dialog zu Ergebnissen und zur Gesundheit, dies wird ergänzt durch Berichte von Züchtern.  

Damit sind seitens der Belegstelle die Voraussetzungen für einen Zuchterfolg leistungsfähiger Königinnen und Bienenvölker grundgelegt. Seitens des Züchters kann der Begattungserfolg durch eine optimale Vorbereitung des Zuchtmaterials, eine überlegte und begründete Herrichtung des Begattungsvölkchens und des Versandes vorbereitet und abgesichert werden.

 

Vorbereitung der Königin

o   Auswahl der Königin

Vor dem Hintergrund der Varrose spielt die Auslese widerstandfähiger Völker eine zentrale Rolle. Aber auch die Honigleistung, geringe Schwarmneigung und eine gute Winterfestigkeit sind wichtige Kriterien für die Beschaffung bzw. Wahl geeigneten Zuchtmaterials.

 

o   Zuchtzeit

Die Qualität der erzeugten Königinnen ist abhängig von der Jahreszeit und der Witterung. Am günstigsten für die Aufzucht ist die Zeit vor dem Schwärmen der Völker, also der Mai und die erste Junihälfte. Für das Ansetzen der ersten Zuchtserie ist es förderlich, wenn im Pflegevolk genügend Jungbienen und verdeckelte Drohnenbrut vorhanden sein. Eine kurze Schlechtwetterperiode im Mai oder Juni wirkt sich oftmals positiv auf den Pflegetrieb aus, denn dann setzen die Völker häufiger Schwarmzellen an.

Eine gute Pflegestimmung lässt sich Ende Juni oder im Juli nicht immer erreichen, da dann der Entwicklungshöhepunkt bereits überschritten ist. Dann kann eine gute Pollenversorgung vor Ansetzen einer Zuchtserie förderlich sein. Eine Massentracht während der Pflegephase kann eine Vernachlässigung der Zuchtserie zur Folge haben.

o   Auswahl des Pflegevolkes

Die Aufzucht der Königinnen sollte in kleinen Serien und gesunden, entwicklungsfreudigen Pflegevölkern erfolgen.

Eine Voraussetzung für ein Pflegevolk ist seine Gesundheit, es muss stark und frei von Krankheiten sein und genügend Ammenbienen haben, damit die Königinnenlarven gut mit Futter versorgt werden. Auch sind Reizfütterungen zu empfehlen wenn die Tracht gering ist.

Mit dem Verdeckeln der Weiselzellen ist die Pflege der Larven durch das Pflegevolk abgeschlossen.

 

o   Zeichnen der Königinnen mit dem Jahresplättchen

Die gezeichnete Königin lässt man über den Handrücken laufen und kontrolliert dabei die Unversehrtheit und Vollständigkeit aller Gliedmaßen.

Nach dem Zeichnen sollte man sie nicht gleich zusetzen, sodass sich der Fremdgeruch neutralisieren kann.

Eine Königin nicht eindeutiger Herkunft ist für den Züchter wertlos. Die Nummer der Königin kann mit einem Klebeplättchen auf dem EWK vermerkt werden. So stellt man einen eventuellen Verflug der Königin auf der Belegstelle später leicht fest.

 

Vorbereitung des EinWabenKästchens (EWK)

Für das Einbringen der EWK in die Schutzhäuser auf der Belegstelle ist es unerlässlich, genormte Kästchen zu verwenden. Um Millimeter längere oder breitere EWK verursachen bei der Einbringung auf der Belegstelle Schwierigkeiten und Mehrarbeit. 

Die Fluglochscheibe muss fest sitzen und darf nicht hervorstehen. Sie soll ins Holz eingearbeitet sein, sodass sie das Einsetzen des EWK in das Schutzhäuschen nicht behindert und sich nicht verdrehen kann.

Das Festsitzen von Bodenschieber und Deckel ist zu überprüfen und sicherzustellen. Die Bodenlüftungen müssen sauber und bei Bedarf (Totenfall) zu entfernen sein.

 

Vor der Verwendung von Absperrgittern innerhalb der EWK raten wir ab. Ein schwaches Völkchen hätte dann bei Kälte Gelegenheit, sich mit der Königin in den Futterraum zurückzuziehen; oft kommt dann dort die Königin schnell in Eiablage.

Jedes EWK ist vor dem Gebrauch gründlich zu reinigen, die Waben sind auszuschneiden und sämtliche Holz- und Glasteile mit 2%iger Ätzkalilauge, Soda- oder P3-Lösung zu waschen. Ferner ist auch genau darauf zu achten, dass sämtliche vorjährigen Teigreste aus der Futterkammer entfernt werden.

Um die Kontrolle der Begattungssituation zu erleichtern und entsprechend Wirrbau zu vermeiden wird das EWK mit einem 2 bis 3 cm breiten Leitstreifen aus einer Mittelwand versehen.

 

 

Das im Bild oben erkennbare Rähmchen hat sich nicht als vorteilhaft erwiesen, es nimmt einerseits ¼ des Wabenbaus ein, andererseits kann bei erhöhtem Totenfall das Flugloch versperrt werden (Gefahr des Verbrausens).

Vorbereitung des Futterteigs

 

Die Futterkammer kann man gegen das Austrocknen des Teiges mit Wachs behandeln, auch könnte eine Sperrschicht aus Pergamentpapier zwischen Holz und Futter eingelegt werden.

 

 

 

Wichtig ist, dass die Bienen das Futter von einer möglichst großen Oberfläche abtragen können. Daher darf das Futter in der Futterkammer nicht bis zum Zugang eingefüllt werden (s.o.).

 

Gut eignet sich erfahrungsgemäß der für diese Zwecke im Handel angebotene Teige. Bei Selbstzubereitung des Teiges aus Honig und Puderzucker darf kein Wasser verwendet werden. Der Teig wird sonst hart und kann nicht aufgenommen werden. Es hat sich bewährt, die Futteroberfläche mit Haushaltszucker zu bestreuen, das verhindert das Festkleben der Bienen am Futterteig.

 

Der Futterteig darf nicht so weich sein, dass er verlaufen kann. Sonst können besonders bei den EWK alter Konstruktion mit kleinem Zugang zum Futterraum nur einzelne Bienen an diesen gelangen und das Völkchen hungert.

 

Bei Bedarf füttern wir auf der Belegstelle nach.

 

 

Vorbereitung und Besiedlung des Völkchens

 

o   Befüllung des EWK

 

Drohnen dürfen keinesfalls mit auf die Belegstelle, daher sind die Begleitbienen sorgfältig durchzusieben, und das befüllte EWK sollte sicherheitshalber nochmals auf Drohnenfreiheit überprüft werden. Anlieferungen mit Drohnen können nicht auf der Belegstelle aufgestellt werden!

 

Zur Füllung der EWK werden möglichst nur Bienen aus Pflegevölkern verwendet. Sie haben die richtige Bienenmischung (2/3 Jungbienen, 1/3 Altbienen). In Ausnahmefällen können auch von Brutwaben abgefegte Jungbienen in Frage kommen. Vor dem Durchsieben sollten die Altbienen abfliegen können. Keinesfalls dürfen Bienen aus Völkern in Schwarmstimmung oder aus drohnenbrütigen Völkern verwendet werden! Es dürfen keine Stecher als Begleitbienen verwendet werden, sie bereiten uns auf der Belegstellen viel Verdruss.

 

Ein Problem kann auch eine zu schwache oder zu starke Füllung des EWK mit Begleitbienen sein. Die ruhige Bienentraube soll etwa ½ Stunde nach dem Füllen das halbe Kästchen ausfüllen.

 

Zu stark befüllte Völkchen sind in Gefahr, auf dem Transport zu leiden, auf der Belegstelle auszuziehen oder den Futterteig zu schnell aufzuzehren. Es kommt auch vor, dass mit Bienen zu sehr gespart wird. Werden dann noch vorwiegend Altbienen eingesetzt, zieht das Völkchen schnell aus oder fliegt sich leer. Auch die Königin ist dann in der Regel verloren.

 

Die Königin sollte vor dem Zusetzen mit lauwarmem Wasser benetzt werden. Sie verhält sich dann ruhiger und wird besser angenommen. Man lässt sie einfach durch das Flugloch zulaufen, sodass sie langsam im Kästchen aufsteigend und sicher angenommen wird.

Es sollten keine Völkchen abgeschickt werden, die noch nicht zu bauen angefangen haben.

Nach der „Dunkelhaft“ bei ca. 12 bis 14°C für ca. 2 Tage wird das Aufstellung der EWK im Freien an sehr schattigem Ort bei kleinem Flugloch bis zu 6 Tagen empfohlen - die Königin wird frühestens nach ca. 6 Tagen brünftig.

o   Kontrolle der Völkchen vor dem Versand

·         Zustand

·         Vorhandensein der Königin

·         Wabenbau

·         Völkchen mit Zerstäuber tränken
Das Eintauchen hat sich nicht bewährt, das EWK quillt auf und kann nur mit Kraftaufwand aus dem Transportgestell entnommen werden kann.

 

Vorbereitung des Transportgestells

Um die unkomplizierte Verladung und Handhabung der EWK beim Transport und auf der Belegstelle zu ermöglichen, sollen nur Transportgestelle für 6 oder 7 EWK verwendet werden. Die Transportkästen müssen absolut bienendicht sein.

Wichtig ist, dass die EWK von unten, den Seitenflächen und oben belüftet sind! Gut bewährt haben sich die genormten Transportgestelle mit Gaze / Fliegendraht.

Bei Transportgestellen mit einen geschlossenen Deckel und solchen, die auch sonst nicht genügend belüftet sind, kann es zum Verbrausen von Völkchen während des Transports kommen.

Für einen unbeschadeten Transport ist es wichtig, dass die EWK fest im Transportgestell stehen, sodass sie sich auch bei Erschütterungen in keiner Richtung bewegen können. Die EWK und die Scheiben müssen fest sitzen, das kann durch Abstandhalter/Führleisten zwischen den EWK erreicht werden, sonst besteht Bruchgefahr.

Vor dem Versand, insbesondere auch bei Lieferung mit der Spedition, muss der Boden des Transportgestells von außen frei von Bienen sein – bitte kontrollieren!



Signatur und Papiere

Alle Transportgestelle und EWK sind gut lesbar und regenfest mit Namen, Anschrift / Tel.-Nr. des Beschickers / der Beschickerin zu versehen. Es kommt vor, dass geliehene oder alt gekaufte Kästen nicht umsigniert werden, was auf der Belegstelle zu unangenehmen Verwechslungen führen kann. Gut bewährt haben sich auch kleine laminierte Schilder mit Heftzwecken befestigt, die Namen, aktuelle Anschrift und Telefonnummer enthalten.

Ausgefüllte Zuchtkarten können auf dem Deckel des EWK mit einer Heftzwecke befestigt oder im Umschlag beigefügt werden.

Der Umschlag sollte in einer wasserfesten Tüte beigefügt werden. Der Belegstellennachweis wird auf der entsprechenden Anzahl von Zuchtkarten quittiert und der Züchter kann die Zuchtkarten den einzelnen EWK bzw. den Königinnen zuordnen.

Es ist erforderlich, jeder Sendung ein zeitnahes amtliches Gesundheitszeugnis in deutscher Sprache beizufügen. Sendungen aus Sperrgebieten, in denen Faulbrut nachgewiesen wurde, dürfen nicht geschickt werden. Im Zuge des europäischen Binnenmarktes sind Sendungen aus allen Mitgliedsstaaten zugelassen.

Wichtig für die Abrechnung und Auswertung ist die Angabe des jeweiligen Imker-/ Landesverbandes bzw. zu welcher Imkervereinigung der Beschicker bzw. die Beschickerin gehört. Diese Informationen sind dem Belegstellenleiter bereits bei der Anmeldung zu übermitteln.

 

Transport

o   Anlieferungsmodalitäten

Termine der Anlieferungszeiten berücksichtigen: Sendungen sind spätestens 7 Tage vor Anlieferungstermin verbindlich beim Belegstellenleiter schriftlich anzumelden (Email, WhatsApp; Telefon).

Die Anlieferungsmodalitäten und –zeiten sind im Web www.bienenzucht.de zu den Inselbelegstellen aufgeführt.

Reklamationen zu Rücklieferungen sind binnen einer Woche beim Belegstellenleiter schriftlich zu melden.

o   Sendungen per Spedition

Für die Anlieferung per Spedition: siehe www.bienenzucht.de

Bei Rücktransport der EWK sind die Sendungen sofort zu kontrollieren. Transportschäden sind auf dem Lieferschein zu vermerken. Spätere Reklamationen werden durch die Spedition nicht anerkannt.

Es besteht die Möglichkeit Sendungen über 25°C zu transportieren, dabei erhebt die Spedition Sonderkosten (Spätabholung/ Frühzustellung). Die Kosten dazu sind beim Disponenten zu erfragen. Zwingend notwendig ist das schriftliche Avis beim Belegstellenleiter.

 

Sammeltransporte und Zusammenfassung kleinerer Sendungen

Es wurden in der Vergangenheit bereits mit gutem Erfolg Sammeltransporte, insbesondere auch durch Züchtergemeinschaften, durchgeführt. Sammeltransporte führen zu Kostensenkungen und sollten auch deshalb verstärkt durchgeführt werden. Es ist sehr vorteilhaft, wenn sich nahe beieinander wohnende Züchter bezüglich der Lieferung absprechen und zusammentun.

Dies gilt besonders auch für Transporte mit der Spedition. Nähere Auskünfte erteilen die Belegstellenleiter.

 

Quellennachweis / Literatur

Methodenhandbuch der Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht im Deutschen Imkerbund. Kirchhain, Ausgabe März 2013. Seite 62 ff.

Tiesler, Friedrich-Karl / Englert, Eva: Aufzucht und Verwendung von Königinnen. 3. überarbeitete Auflage. Herten 2013.

http://www.bienenzucht.de/merkblatt%20inselbeschickung.htm

 

Detlef Ottersbach

Warfsweg 28, 26624 Bedekaspel (Südbrookmerland)
Tel.: (04942) 6568693
Mobil: 0160/2019382
Email: mail@bienenbelegstelle-norderney.de oder
detlef(at)ottersbach1(dot)de

www.bienenbelegstelle-norderney.de

 

14.05.2020