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Thursday, 22. April 2021

Merkmale zur Resistenzselektion

Die umfangreiche Datensammlung des Bieneninstituts in Kirchhain zur Befallsentwicklung, Bruthygiene, Milbenreproduktion (SMR, engl.: suppressed mite reproduction) und dem Öffnen und Wiederverschließen befallener Brutzellen durch die Bienen (REC, engl: recapping) ermöglicht inzwischen eine gute Beurteilung dieser Merkmale im Hinblick auf die Auslese auf Varroaresistenz.

In Zusammenarbeit mit den Mathematikern Professor Brascamp und Dr. Hoppe und den Bienenwissenschaftlern Herrn Buchegger (Österreich) und Dr. Kovacic (Kroatien) ist hierzu kürzlich eine Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Insects“ erschienen, die frei zugänglich im Internet nachgelesen werden kann (https://www.mdpi.com/2075-4450/11/9/618). Für die Praxis ergeben sich aus den Auswertungen einige wesentliche Schlussfolgerungen:

1.     Der Varroabefall von Bienenproben ermöglicht eine sehr zuverlässige Beurteilung von Befallsunterschieden, insbesondere bei mehrfacher zeitlicher Wiederholung im Laufes des Sommers. Mit zusätzlichen Messungen des natürlichen Totenfalls zur Zeit der Salweidenblüte können die Sommerdaten gut justiert und zur Zuchtwertschätzung in Beebreed genutzt werden.

2.     Auch die Ergebnisse des Nadeltests zur Beurteilung der Bruthygiene zeigen eine zuverlässige Wiederholbarkeit und einen signifikanten Zusammenhang mit der Befallsentwicklung der Völker. Hierbei ist insbesondere der Anteil der etwa sechs Stunden nach dem Anstechen von den Bienen geöffneten Zellen aussagekräftig, besser noch als der Anteil vollständig ausgeräumter Zellen. Durch eine mehrfache Wiederholung des Nadeltests im Laufe der Saison steigt seine Aussagekraft deutlich an.

3.     Auch für die bei der Untersuchung von Brutproben erhobenen REC-Daten zeigt sich ein Zusammenhang mit der Befallsentwicklung, doch leider nicht für die SMR-Werte. Obgleich resistente Völker zumeist hohe SMR-Werte aufweisen, unterliegen diese offensichtlich starken Schwankungen. Eine zeitaufwändige Untersuchung einzelner Brutproben mit wenigen infizierten Zellen scheint sich daher nicht als Routineuntersuchung für Selektionszwecke zu eignen.

Befallsmessungen und Nadeltestergebnisse, die entsprechend des AGT Methodenhandbuchs ermittelt werden, stellen daher auch weiterhin die wichtigsten Kriterien zur Auslese varroaresistenter Völker dar. Dies wird auch durch die Ergebnisse einer internationalen Vergleichsstudie im Auftrag der EU Kommission (Eurbest Projekt) bestätigt, die im April im Rahmen einer Online-Konferenz vorgestellt und anschließend veröffentlicht werden soll. Herkünfte, die seit Jahren auf niedrigen Befall und gute Bruthygiene (Nadeltest) ausgelesen wurden, erwiesen sich dabei vielerorts als vergleichsweise widerstandsfähig.

 

Dr. Ralph Büchler
LLH Bieneninstitut Kirchhain

29.01.2021