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Wednesday, 30. September 2020

Projekttag der Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht

Der Projekttag am Ende der Bienensaison ist mittlerweile ein wichtiges Treffen für die Züchter, weil hier praxisnah am Bienenstand Vorführungen zur Zucht und Selektion stattfinden und die Ergebnisse der zurückliegenden Saison diskutiert werden.

Bild 1: Die Teilnehmer hören gespannt den Vorträgen zu

Bild 2: Begutachtung der Völkchen in den Mini-Plus-Beuten

Bild 3: Demonstration der Völkerbildung mit Kunstschwärmen

So waren zu dem diesjährigen Projekttag am Bieneninstitut Kirchhain am 08. August 2015 über 100 Züchter aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich angereist. Dank der guten Vorbereitungen durch das Kirchhainer Team, der Unterstützung durch den Freundeskreis und nicht zuletzt wegen des guten Wetters war der Tag wieder ein voller Erfolg.

 

Nach der Begrüßung in dem neu gestalteten Hörsaal des Instituts berichteten zunächst Dirk Ahrens und Wolfgang Scheele über die Arbeit in der Regionalgruppe Hessen. In dieser Gruppe, die 2003 gegründet wurde, arbeiten heute 20 Zucht- und Prüfbetriebe zusammen. Seit 2005 findet jährlich eine Besamungsaktion mit Frau Winkler aus Hohen – Neuendorf statt. Der Austausch von ca. 120 Prüfköniginnen fand in den ersten Jahren verdeckt, ab 2008 jedoch offen statt. Jährlich werden auf den Ständen der Züchter ein bis zwei Praxistage abgehalten, bei denen gemeinsam Völker bewertet und die Prüfkriterien anhand der Prüfvölker besprochen werden. (Foto 1)

 

Dr. Büchler berichtete anschließend über die Auslese auf Varroatoleranz am Bieneninstitut Kirchhain. Dabei ging er besonders auf die mehrmalige Befallskontrolle im Spätsommer und den Vitalitätstest ein. Neu hinzugekommen ist das Merkmal varroasensitive Hygiene, kurz VSH genannt. Dabei geht es um den Prozentsatz nicht reproduzierender Milben in Brutzellen kurz vor dem Schlupf. Dieses Merkmal findet zwischenzeitlich in verschiedenen europäischen Populationen Beachtung. Auch bei unserer Carnica gibt es vereinzelt Völker, die Werte über 50 % nicht reproduzierender Milben erreichen. In Kirchhain wurde 2014 mit dem Aufbau einer speziellen Selektionslinie begonnen.

 

Am Nachmittag fanden auf 3 Stationen praktische Vorführungen statt.

 

Im Labor wurde das Auszählen nicht reproduktiver Milben in kurz vor dem Schlupf stehenden Brutzellen demonstriert. Bei den unter dem Binokular mit Projektionsaufsatz geöffneten Zellen wurden sowohl das Alter der Bienenpuppen als auch das Stadium der Milbennachkommen bestimmt. Wenn in Abhängigkeit des Puppenalters das Aussehen der ältesten Milbentochter ein gewisses Stadium noch nicht erreicht hat, gilt die eingedrungene Milbe als nicht reproduktiv.

 

In Kirchhain wird seit 2014 eine Linie aufgebaut, die nach nicht reproduktiven Milben (VHS) selektiert wird. Um einen größeren Zuchtfortschritt zu erreichen, werden die Königinnen dabei teilweise mit nur einem Drohn besamt. Da diese Königinnen keine großen Völker aufbauen, werden sie in Mini-Plus-Beuten gehalten. Auf einem Außenstand konnten diese Völker besichtigt werden. (Foto 2)

 

Bei einer dritten Station wurde der Aufbau normaler Prüfvölker im Kunstschwarmverfahren mit jeweils 2 kg Bienen demonstriert. Die Anfang Juli gebildeten Völker hatten bereits die Waben einer Zarge gut ausgebaut und große Brutflächen angelegt. Sie stehen für die Leistungsprüfung im nächsten Jahr zur Verfügung. (Foto 3)

 

Der Abschluss des Projekttages fand im Institutshof im Rahmen eines gemeinsamen Kaffeetrinkens statt. Für das leibliche Wohl hatten die Freunde des Instituts gesorgt. Bis in den Abend hinein wurde mit den Züchtern diskutiert. Kurz gesagt, es war wieder eine sehr interessante und gelungene Veranstaltung. Den Organisatoren wird an dieser Stelle besonders gedankt.

 

F. – K. Tiesler

20.08.2015