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Freitag, 15. November 2019

SMR-Projekt angelaufen

Die Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht (AGT) beteiligt sich an dem dreijährigen Verbundprojekt „SMR-Selektion“. Seit März dieses Jahres stellt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung Gelder zur Verfügung, um Imker bei der Identifikation und Vermehrung von Zuchtvölkern mit einer guten Veranlagung zur Unterdrückung der Milbenvermehrung in der Arbeiterinnenbrut zu unterstützen.

Gemeinsame SMR-Auszählaktion Ende Juli 2019 in Chemnitz

Die AGT fungiert dabei neben der Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker (GdeB) als Vermittler zwischen den einzelnen Züchtern und dem LLH-Bieneninstitut Kirchhain, das die Koordination und wissenschaftliche Betreuung des Vorhabens übernommen hat. Wesentliche Unterstützung kommt auch vom Deutschen Imkerbund (DIB), der zwischenzeitlich 27 hochwertige Mikroskope erworben hat, die den Imkern für die notwendigen Brutuntersuchungen zur Verfügung gestellt werden.

In den letzten Monaten haben sich innerhalb der AGT sechs Zuchtgruppen aus den Regionen Niederelbe, Hessen, Thüringen, Brandenburg, Oberbayern und Rhein-Saar-Lux zusammengefunden. In jeder Regionalgruppe wurden Versuchsköniginnen aufgezogen, die jeweils mit dem Sperma eines einzelnen Drohns besamt und in MiniPlus-Völker eingeweiselt wurden. Zwischen Juli und August wurden diese Prüfvölkchen jeweils durch Zugabe von etwa 150 Varroamilben infiziert. So wird ein hoher Befallsdruck auf die begrenzten Brutflächen ausgeübt und damit die Voraussetzung geschaffen, das Vermehrungsverhalten der Milben in der Brut überprüfen zu können. Hierzu werden Brutzellen mit älteren Puppen (violette oder schwarze Augen, mind. 7 Tage nach Verdeckelung) vorsichtig geöffnet. Ein Blick auf die Innenseite des Zelldeckels offenbart, ob die Bienen von sich aus die Zelle zuvor schon einmal geöffnet und wiederverdeckelt hatten („Recapping“). Dies dient bereits als Hinweis auf die Fähigkeit resistenter Bienen, befallene Zellen erkennen zu können. Soweit eine Muttermilbe in der Zelle eingeschlossen ist wird das Vorkommen und der Entwicklungsstatus der Milbennachkommen bestimmt. So lässt sich sicher abschätzen, ob in der jeweiligen Zelle bis zum normalen Schlupftermin überlebensfähige Milbennachkommen möglich gewesen wären.

Diese zunächst zeitaufwändige Brutuntersuchung stellt sich schon bald als ein spannendes und lehrreiches Erlebnis dar, insbesondere wenn es in Gruppen gemeinsam und unter sachkundiger Anleitung passiert. Hierzu haben die regionalen Gruppen Wochenendtermine abgestimmt und geeignete Räumlichkeiten in zentraler Lage organisiert. In der Regel können 6-8 Imker auf diese Art im Laufe eines Tages die SMR-Veranlagung von etwa 30 Völkchen beurteilen.

Die besten Königinnen der diesjährigen Versuche sollen weiter vermehrt werden und so zum Aufbau von AGT-Linien mit ausgeprägtem SMR-Verhalten dienen. Gleichzeitig sind alle Züchter aufgerufen, vor der Sommerbehandlung ihrer Leistungsprüfvölker jeweils eine Brutwabe einzufrieren und nach Absprache zur Untersuchung auf SMR und REC an das Bieneninstitut in Kirchhain zu senden. Die im Laufe des Winters ermittelten Ergebnisse werden den Teilnehmenden jeweils zurückgemeldet und überdies von Kollegen am Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf zur Verbesserung der Zuchtwertschätzung auf Varroaresistenz ausgewertet. Somit können die Ergebnisse direkt zur Erweiterung der genetischen Basis in SMR-Selektionslinien genutzt werden und tragen darüber hinaus zu einer Verbesserung der Zuchtauslese bei.

Autor: Dr. R. Büchler, LLH – Bieneninstitut Kirchhain

 

22.08.2019