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Sonntag, 20. Oktober 2019

SMR Untersuchungen in der AGT Zuchtpopulation

Ziel des von der BLE geförderten SMR Zuchtprogrammes ist die Steigerung der Varroaresistenz der Bienenvölker. Dabei spielt die Einschränkung der Varroavermehrung – kurz SMR (Surpressed Mite Reproduktion) - eine entscheidende Rolle. Völker, die neben den anderen erwünschten Zuchtzielen diese Eigenschaft zeigen, gilt es innerhalb der Zuchtpopulation zu erkennen und gezielt weiter zu vermehren. Hierfür werden durch Mitglieder der AGT und GdeB die jeweiligen Carnica bzw. Buckfast Zuchtbestände geprüft.

Abbildung 1:Geeignetes Puppenalter im „Lila-Augen-Stadium“

Abbildung 2: Brutuntersuchung unterm Binokular

Die in der AGT zusammengeschlossenen Carnica – Züchter prüfen jährlich ca. 1500 Völker definierter Abstammung auf die wichtigen Eigenschaften sowie Varroabefallsentwicklung und Bruthygiene. Jedoch reichen die in der Praxis ermittelten Werte allein nicht aus, um effektiv auf SMR auszulesen. Hierzu bedarf es spezifischer Zusatzuntersuchungen befallener Brutwaben, die am Institut Kirchhain oder anderen Untersuchungsstellen durchgeführt werden. Die AGT Züchter sind daher aufgerufen, Brutwaben von besonders erfolgversprechenden Völkern (solche mit hohem Ausräumverhalten und geringer Befallsentwicklung, sowie überdurchschnittlichen Eigenschaften) kurz vor dem Schlupf Ende August / Anfang September bzw. unmittelbar vor der Sommerbehandlung zu entnehmen und einzufrieren. Dafür steht den Projektbeteiliein Methodenprotokoll des Bieneninstituts Kirchhain zur Verfügung, Sobald der Bienenbefall auf Werte von 2 % und mehr ansteigt, sind in der Regel 10 % der verdeckelten Brutzellen parasitiert, so dass eine recht effektive Untersuchung des Reproduktionsverhaltens möglich ist. Das Alter der Puppen sollte das Stadium purpurfarbener oder dunkler gefärbter Augen (mindesten 7 Tage nach dem Verdeckeln der Zellen, Abbildung 1) umfassen. Mindestens 1000 verdeckelte Brutzellen sollen vorhanden sein. Die Proben sind unmittelbar nach der Entnahme in einem Gefrierbeutel einzufrieren. Ein Begleitprotokoll mit den wichtigsten Daten ist jeder Probe beizulegen. Das entsprechende Begleitprotokoll, sowie weitere Infomationen zur Probennahme, können unter www.bieneninstitut-kirchhain.de abgerufen werden. Die Proben werden nach Abstimmung an das Bieneninstitut Kirchhain geschickt. Ein gesammelter Expressversand am Wochenanfang ist zweckmäßig, damit die Proben nicht zu lange auf dem Postweg unterwegs sind. Die Untersuchung der Proben selbst ist für den Einsender bzw. die Einsenderin kostenfrei. Die Kosten (Probeentnahme und Portokosten) werden aus Mitteln des SMR-Projektes pauschal erstattet. Darüber hinaus werden den Einsendenden die jeweiligen Ergebnisse der Untersuchungen zur Verfügung gestellt und können so direkt in deren eigener Zuchtplanung genutzt werden. Um zu einer aussagekräftigen Beurteilung des durchschnittlichen Anteils nicht reproduzierender Milben zu gelangen, werden möglichst 25 einfach befallene Brutzellen untersucht. Gleichzeitig wird das Recapping-Verhalten (Öffnen und Wiederverschließen bereits verdeckelter Brutzellen, wobei die Reproduktion der Milben beeinträchtigt wird) erfasst (Abb. 2). Völker mit einem hohen SMR Anteil (›50%) sind für die weitere Selektion und den Aufbau spezieller SMR- Linien besonders geeignet.

Wichtig ist, dass alle Daten für die Völker, von denen Brutproben zur Untersuchung eingereicht wurden, mit ihren Abstammungsdaten und soweit vorhanden mit den anderen Zucht- und Leistungsdaten in das Beebreed Zuchtbuch eingetragen werden. Am Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf werden für das SMR- und Recapping-Verhalten Heritabilitätsschätzungen und Schätzung der genetischen Korrelation zwischen den Eigenschaften vorgenommen, so dass diese Werte auch in die Zuchtwertschätzung einfließen.

Es ergeht an alle AGT Mitglieder und am SMR-Projekt beteiligten Züchter die Bitte, Brutproben besonders auffälliger Völker sicherzustellen und zur weiteren Untersuchung zur Verfügung zu stellen.

F. K. Tiesler

21.06.2019