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Wednesday, 23. September 2020

Wiederholte Befallskontrollen ermöglichen die Auslese varroatoleranter Völker

Aufgrund der intensiven Bruttätigkeit können sich Varroamilben während der Frühlings- und Sommermonate kontinuierlich in den Völkern vermehren. Wie stark dies geschieht, hängt allerdings u.a. von Abwehreigenschaften der Bienen, wie der Bruthygiene, dem Erfassen umherlaufender Milben und dem Austrag von Milben über Flugbienen ab.

Da sich Unterschiede dieser Toleranzmerkmale vor allem während der Hauptentwicklungsphase offenbaren, kommt einer kontinuierlichen Beobachtung der Befallsentwicklung in diesem Zeitraum besondere Bedeutung für die Auslese widerstandsfähiger Völker zu.

Routinemäßig erfassen die AGT-Prüfer zur Zeit der Salweidenblüte drei Wochen lang den natürlichen Milbentotenfall. Dies ermöglicht eine Abschätzung des Ausgangsbefalls zu Beginn der Brutsaison. Ab etwa Mitte Juni finden sich bei stärker befallenen Völkern zunehmend viele Milben auf den erwachsenen Bienen, so dass ab dieser Zeit eine schnelle und zuverlässige Kontrolle des Befallsgrades anhand von Bienenproben möglich ist.

Hierzu werden 30-50 g Bienen aus dem Honigraum bzw. einer Futterwabe aus dem oberen Brutraum entnommen. Zur Abtrennung der Milben werden die Bienen entweder lebend in  Puderzucker gebadet (siehe hierzu auch das Youtube-Video Varroa-Befallskontrolle mit Puderzucker) oder  aber in Seifenwasser ausgewaschen. Genaue Anleitungen hierzu finden sich im Methodenhandbuch der AGT (siehe www.toleranzzucht.de) sowie auf der Homepage des Bieneninstituts Kirchhain.

Nach den Prüfrichtlinien der AGT wird eine mehrfache Wiederholung der Befallskontrolle im Abstand von jeweils etwa drei Wochen empfohlen. Solange der Befall bis Ende Juli unter 2 und bis Ende August unter 3 Milben je 10 g Bienen liegt, brauchen vorerst keine chemischen Behandlungen vorgenommen zu werden. Die widerstandsfähigsten Völker können möglicherweise sogar ganz ohne Behandlung eingewintert werden. Das setzt jedoch regelmäßige Befallskontrollen bis zur Einwinterung voraus, wie AGT-Züchter dies im sogenannten Vitalitätstest erfolgreich praktizieren. Am Ende wird die Mühe durch eine Auswahl von Zuchtvölkern belohnt, die dem Varroadruck offenbar viel besser als andere aus eigener Kraft widerstehen können.

Wer sich die Befallswerte in einem Zeitdiagramm einträgt, erkennt sehr schnell die Befallsunterschiede und den individuellen Befallsanstieg der einzelnen Völker. Am einfachsten fällt der Vergleich, wenn man die Befallswerte auf eine logarithmischen Skala aufträgt, da der Anstieg im Laufe der Zeit dann annähernd linear entwickelt und daher sehr leicht eingezeichnet und vorhergesagt werden kann. Entsprechende Einstellungen sind bspw. in Excel vorgesehen und abrufbar. Außerdem finden Sie auf der Homepage des Bieneninstituts Kirchhain einen entsprechenden Kontrollbogen, den Sie sich zum Eintragen Ihrer Daten ausdrucken können.

Seit 2012 ist auch die Datenerfassung zur Zuchtwertschätzung unter www. beebreed.eu für die Eingabe wiederholter Befallsmessungen ausgelegt. So stehen alle Messergebnisse ohne weiteren Aufwand für den Prüfer für wissenschaftliche Auswertungen zur Verfügung und tragen zur zuverlässigen Auslese widerstandsfähiger Zuchtvölker bei.

 

Dr. Ralph Büchler

LLH, Bieneninstitut Kirchhain

06.06.2013